Die Dämonen in ihm
Ein Sturm fegt durchs altehrwürdige Opernhaus von Hannover. Doch nicht einem Shakespeare’schen Naturereignis von Prosperos und Ariels Gnaden gleicht die Ouvertüre von Verdis «Otello». Es ist der (von Philipp Contag-Ladas auf die Rückwand projizierten Bildern noch zusätzlich aufgeladene) Lärm des Kriegs, der sich hier Bahn bricht. Gewitterblitze zucken, Mündungsfeuer blitzt auf, Nebelkerzen schießen hoch, in der «Taverne» herrscht das totale Chaos.
Menschen rennen blindlings über die Bühne, bewaffnete Soldaten richten ihre Gewehre ins Nichts, und auch im Graben, wo GMD Stephan Zilias mit dem Niedersächsischen Staatsorchester einen wahren Furor der Dissonanzen entfacht, der sich um wohltönende Balance nicht einen Takt lang schert, scheint das (instrumentale) Fegefeuer ausgebrochen zu sein. Klänge «klingen» nicht mehr, sie sind gesprengt, zerfetzt, ausgehöhlt, zugespitzt, bohren sich wie Pfähle ins Fleisch der Welt. Man geht kaum zu weit, wenn man sich so in etwa die Hölle vorstellt.
Inmitten des Tumults ein Mann, der vor Beginn der Oper schon nervös hin- und her tigerte, so als würde er von den Furien verfolgt. Doch nicht Orestes ist es. Sondern Otello. Der General, der längst kein ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Jürgen Otten
Dafür, dass der Titel des neuen Stücks – «Die Mühle von Saint Pain» (englische Aussprache) – eher Leid und Schmerzen argwöhnen lässt, fängt es gar nicht so düster an im Theater Basel. Der Zuschauerraum bleibt erleuchtet. Und die fünf Figuren, die der Reihe nach erscheinen, führen derart sarkastisch-bissige Dialoge miteinander, dass man meinen könnte, eine Autorin...
Gioachino Rossinis «Otello» entstand 1816, zwischen den Erfolgsopern «Il barbiere di Siviglia» und «La Cenerentola». Mit der Prominenz von Verdis «Otello» (1887) kann das Stück heutzutage nicht mithalten, was einerseits in der kritischen Rezeption begründet liegt: Die differenzierte Handlung der Shakespeare-Grundlage werde bei Rossini banalisiert (der Komponist...
Die Konstellation kommt nicht von ungefähr, sie hat ein Vorbild: ein Paar aus Frau und Mann, verklammert an einem Ort, der Geheimnisse und (vergebliche) Hoffnungen ebenso bereithält wie Offenbarungen. Erkennbar bezieht sich Péter Eötvös in seinem zehnten Musiktheater «Senza Sangue» auf den Einakter «Herzog Blaubarts Burg» seines Landsmannes Béla Bartók. Doch schon...
