Was will man mehr?
Der Neue sei da, verkündet das Opernhaus Zürich auf seinen Plakaten: der neue Generalmusikdirektor. Die Fanfaren haben ihre Berechtigung, Gianandrea Noseda hat einen fulminanten Start hingelegt – mit Giuseppe Verdis »Trovatore«, einem Stück aus seinem Kernrepertoire. Schön laut klingt es an diesem Abend, nämlich laut und schön. Verdi wird oft, und zwar vokal wie instrumental, muskulös realisiert, und ebenso oft wirkt das simpel oder gar grobschlächtig. Nichts davon bei Noseda.
Die Kraft ist da, in ihrem kernigen Farbenreichtum ist sie geradezu körperlich erlebbar, doch jederzeit bleiben die (zum Beispiel durch den Raum vorgegebenen) Proportionen respektiert, wird die Balance gewahrt. Zudem stellt sich neben das Extrovertierte eine ausgeprägte Kultur des Leisen, woran auch das vorzüglich zusammengestellte Ensemble teilhat. Nicht zu vergessen ist der von Janko Kastelic vorbereitete Chor, der in dieser Produktion erstmals wieder ohne Einschränkung auf der Bühne agiert und dies in beeindruckender Homogenität und ausgelassener Spielfreude tut.
Das alles ermöglicht Noseda einen interpretatorischen Zugang zu «Il trovatore», der ganz auf die dramatische Wirkung setzt, der die Kontraste ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Peter Hagmann
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