So krass wie möglich
Die neue Intendantin der Semper-Oper, Ulrike Hessler, ist drauf und dran, die Hörgewohnheiten ihres Publikums neu zu modellieren: Noch nie ist in Dresden Monteverdis spätes Meisterwerk «L’incoronazione di Poppea» produziert worden – am Ende der Aufführung schien das traditionssüchtige Opernpublikum Dresdens Wagner & Strauss völlig vergessen zu haben, es huldigte der Barockoper. Und damit einer modernen Inszenierung, die den Zynismus des Stücks auf die Spitze treibt.
Zum ersten Mal ist der Schauplatz Oper hier von Menschen bevölkert, lebenden Personen der römischen Geschichte, nicht mehr von mythischen Instanzen aus Pappe oder Marmor. Im Prolog streiten zwar noch göttliche Allegorien – Glück, Tugend und Liebe – boshaft um die Vorherrschaft in der Welt. Aber das sind in Dresden lediglich drei altkluge Hostessen, die die römische Unterschicht der Dienerschaft symbolisieren – neben dem Glamour der Royals um den verbrecherischen Kaiser Nero.
Regisseurin Florentine Klepper, Hausregisseurin am Theater Basel, zieht die heutige Aktualität des Historienkrimis nicht in Zweifel: «Happy End mit unglaublichen Kollateralschäden», nennt sie das Stück, das sie brillant analysiert hat und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Wolfgang Schreiber
Es dürfte hauptsächlich rezeptionsgeschichtliche Gründe haben, dass die 1849 entstandene «Luisa Miller» noch immer zum frühen Verdi geschlagen wird. Denn was die dramatische Stringenz und die Verknappung der musikalischen Mittel angeht, steht diese dritte Schiller-Veroperung Verdis schon fast auf dem Niveau des «Rigoletto» – hier wie dort herrscht...
Zwei Puccini-Inszenierungen aus New York und Amsterdam, die jetzt auf DVD vorliegen, bringen den Komponisten, der oft genug ans Rampen- oder Konzeptionstheater verraten wird, als einen der zentralen Musikdramatiker des frühen 20. Jahrhunderts zur Kenntlichkeit. Zwei Regisseure, die genau lesen können, haben ihre Hausaufgaben gründlich gemacht. Ungewöhnlich ist die...
«Hoffentlich beten Sie mit mir, dass SONNTAG aus LICHT kein ‹Ruhetag› sondern ein Tanz in die Sonne wird. FURCHTLOS WEITER! Ihr Stockhausen.» Den Briefappell des Komponisten von 1995 verstand die Kölner Oper nach mehr als einem Jahrzehnt wohl als ferne Aufforderung, die letzte Etappe, den «Sonntag» aus dem gewaltigen «Licht»-Epos der sieben Wochentage, erstmals...
