Die andere Moderne
Adolf Sliwinski, Leiter des Verlags Felix Bloch Erben, konnte dem Komponisten Franz Lehár im Mai 1909 imposante Zahlen für seine «Lustige Witwe» melden: 18 000 Aufführungen in 422 deutschen, 135 englischen und 154 amerikanischen Städten.
Drei Jahre nach der Uraufführung hatte die Operette einen Hype ausgelöst, der sich im Verkauf von Souvenirartikeln ebenso niederschlug wie in einer Renaissance des Paartanzes oder der Stilisierung der Hauptfiguren Hanna und Danilo «zum mythischen Paar ihrer Epoche», schreibt Stefan Frey in seinem Buch «Franz Lehár – Der letzte Operettenkönig». Anlässlich des 150. Geburtstags Lehárs hat der Theaterwissenschaftler eine eigene ältere Biografie neu konzipiert und umfassend erweitert. Überzeugend arbeitet er die sozialgeschichtlichen Grundlagen heraus, die diesen Erfolg möglich machten. Für Frey fällt er nicht zufällig mit der Glanzzeit der neuen Kaufhäuser zusammen, in der Waren ebenso wie kulturelle Erlebnisse zu «Symbolen der gesellschaftlichen Zugehörigkeit» werden.
Lehár traf mit der «Lustigen Witwe» gleich in mehrfacher Weise den Nerv einer neuen, globalen Mittelschicht. Die Integration unterschiedlichster Musikstile erfüllt, so Frey, die ...
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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 37
von Michael Stallknecht
Entschleunigung
Die Frage steht im Raum: Wie wirkt sich die durch Corona erzwungene Entschleunigung des Lebens auf unsere Event-durchflutete Gesellschaft aus? Was bedeuten die weit-reichenden Notstandsverordnungen für die Kultur und ihre Triebkräfte – die Künstler? Überlegungen des Philosophen und Soziologen Christoph Türcke sowie des Juristen und passionierten...
Wer war sie eigentlich? Jene «unsterbliche Geliebte», die «angedachte Empfängerin eines der … berühmtesten … Briefe der Sentimental-Historie», wie der Autor Otto Brusatti das Schreiben in «Die 11 Begierden des Herrn Ludwig van» charakterisiert. War es Josephine Brunswick, Witwe und betriebsame Gefährtin zahlreicher Männer, mit der Beethoven angeblich ebenfalls ein...
Herr Mathmann, Sänger – das ist eigentlich Ihr zweiter Beruf. Wann kündigte sich die musikalische Begabung an?
Zuerst war Musik! Das Singen kam sogar vor dem Sprechen. Meine Mutter erzählt, dass ich schon Melodien sang, bevor ich die ersten Worte sagen konnte. Mit drei Jahren habe ich angefangen, Klavier zu spielen. Aber nach der Schule hatte die Medizin Priorität....
