Die andere Moderne

Wie sich in Franz Lehárs Operetten die Umbrüche der vorletzten Jahrhundertwende spiegeln – Würdigungen zum 150. Geburtstag des Komponisten

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Adolf Sliwinski, Leiter des Verlags Felix Bloch Erben, konnte dem Komponisten Franz Lehár im Mai 1909 imposante Zahlen für seine «Lustige Witwe» melden: 18 000 Aufführungen in 422 deutschen, 135 englischen und 154 amerikanischen Städten.

Drei Jahre nach der Uraufführung hatte die Operette einen Hype ausgelöst, der sich im Verkauf von Souve­nirartikeln ebenso niederschlug wie in einer Renaissance des Paartanzes oder der Stilisierung der Hauptfiguren Hanna und Danilo «zum mythischen Paar ihrer Epoche», schreibt Stefan Frey in seinem Buch «Franz Lehár – Der letzte Operettenkönig». Anlässlich des 150. Geburtstags Lehárs hat der Theaterwissenschaftler eine eigene ältere Biografie neu konzipiert und umfassend erweitert. Überzeugend arbeitet er die sozialgeschichtlichen Grundlagen heraus, die diesen Erfolg möglich machten. Für Frey fällt er nicht zufällig mit der Glanzzeit der neuen Kaufhäuser zusammen, in der Waren ebenso wie kulturelle Erlebnisse zu «Symbolen der gesellschaftlichen Zugehörigkeit» werden.

Lehár traf mit der «Lustigen Witwe» gleich in mehrfacher Weise den Nerv einer neuen, globalen Mittelschicht. Die Integration unterschiedlichster Musikstile erfüllt, so Frey, die ...

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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 37
von Michael Stallknecht

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