Die andere Moderne
Adolf Sliwinski, Leiter des Verlags Felix Bloch Erben, konnte dem Komponisten Franz Lehár im Mai 1909 imposante Zahlen für seine «Lustige Witwe» melden: 18 000 Aufführungen in 422 deutschen, 135 englischen und 154 amerikanischen Städten.
Drei Jahre nach der Uraufführung hatte die Operette einen Hype ausgelöst, der sich im Verkauf von Souvenirartikeln ebenso niederschlug wie in einer Renaissance des Paartanzes oder der Stilisierung der Hauptfiguren Hanna und Danilo «zum mythischen Paar ihrer Epoche», schreibt Stefan Frey in seinem Buch «Franz Lehár – Der letzte Operettenkönig». Anlässlich des 150. Geburtstags Lehárs hat der Theaterwissenschaftler eine eigene ältere Biografie neu konzipiert und umfassend erweitert. Überzeugend arbeitet er die sozialgeschichtlichen Grundlagen heraus, die diesen Erfolg möglich machten. Für Frey fällt er nicht zufällig mit der Glanzzeit der neuen Kaufhäuser zusammen, in der Waren ebenso wie kulturelle Erlebnisse zu «Symbolen der gesellschaftlichen Zugehörigkeit» werden.
Lehár traf mit der «Lustigen Witwe» gleich in mehrfacher Weise den Nerv einer neuen, globalen Mittelschicht. Die Integration unterschiedlichster Musikstile erfüllt, so Frey, die ...
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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 37
von Michael Stallknecht
arte
31.05. – 17.40 Uhr
Juan Diego Flórez singt Mozart
Cuvilliéstheater München, 2017
Orchestra La Scintilla, ML: Minasi
Online verfügbar: 30.05.–30.06.
01.06. – 00.30 Uhr
Verdi: Falstaff
Hamburgische Staatsoper, 2020
ML: Kober, I: Bieito, S: Maestri, Sacher, Kovalevska, Brück, Palchykov, Kluge, Martirossian, Kajtazi, Aldrian, Karyazina
Online verfügbar: 30.05.–29.08.
Kate Lindsey, Anfang März standen Sie noch als Nero auf der Bühne der Met. Wo sind Sie gerade?
Zu Hause in Brighton, zum Glück. Die «Agrippina» war am 7. März abgespielt, am 12. stellte das Haus den Betrieb ein. Mein Mann und ich wollten eigentlich in den USA bleiben, weil drei Wochen später schon die Proben für «Pelléas et Mélisande» in Los Angeles losgehen...
Den Namen Antonio Draghi (1634–1700) nie gehört zu haben, ist keine Schande – und nach dieser Ausgrabung darf man ihn auch sogleich wieder vergessen. Der Italiener kam 1658 als Bassist nach Wien und machte dort als Sänger, Librettist, Komponist, Opernintendant und schließlich seit 1682 als Hofkapellmeister des selbst komponierenden Kaisers Leopold I. Karriere....
