Die alten, bösen und zarten Lieder
Der Dichter singt, singt in höchsten und in tiefsten Tönen, wort- wie bildmächtig, am Rande des Erlaubten und in einem Rhythmus, der per se alle Bedenken, sollten sie überhaupt bestehen, vom Tische fegt.
«O seiden Härelein! O Rosen Wängelein! Corallen Lippelein! O Perlen Zänelein! O Honig Züngelein! O Perlemutter Oehrelein! O helffenbeinen Hälßelein! O Pomerantzen Brüstelein!» So steht es geschrieben in dem Liebesgedicht «O Sternen Äugelein» des Komponisten und Liedtexters Johann Hermann Schein, doch die Klänge, die wir dazu hören, haben mit dem Zeitalter, in dem diese blümeranten Verse geschmiedet wurden, wenig gemeinsam. Rabiat sind sie, rustikal, rau und rasant.
Bereits 2022 feierte Gordon Kampes Songzyklus «O Seufzen, Heulen, Herzensknall» für zwei Stimmen und Ensemble in Hamburg seine Uraufführung. Beim Ultraschall Festival Berlin, dessen selbsternannter Auftrag es stets war, Wiederaufführungen zeitgenössischer Werke zu ermöglichen, erklang nun im Radialsystem die revidierte und erweiterte Version, mit einem anderen Anfang und mit einem anderen (unversöhnlichen) Ende, in einer fulminant-furiosen Darbietung durch das von Lutz Rademacher geleitete RADAR Ensemble. Und diese ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Jürgen Otten
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Nachts, so heißt es, seien alle Katzen grau. Auch in einer Bibliothek. Doch manchmal huschen auch kleine Kobolde durch das Reich der Göttin Nyx, zumindest in Romanen, die «Mitternachtskinder» heißen und aus der Feder eines der größten Erzähler-Phantasten unserer Zeit stammen. Salman Rushdies Roman aus dem Jahr 1981 ist zum Verlieben schön. Aber ist es auch einer...
