Dicke Tränen, süßer Duft
Nebel lastet auf Cornwall, tiefe Trübsal, auswegloser Schmerz. Schwer atmet die Musik, beinahe so, als wäre sie zu Eis erstarrt, als gäbe es kein Morgen mehr. Doch kein Orchester spiegelt, in den uns bekannten, chromatischen Seufzern, diese Tristesse, sondern ein Klavier. Und deswegen ist es eben auch nicht jener irische Küstenort, an dem, tödlich verwundet, Tristan, der gefallene Held, darniederliegt. Es ist die Zürcher Villa «Asyl», die da vor unserem inneren Auge aufscheint.
«Im Treibhaus», eines jener Lieder, die Richard Wagner für seine zeitweilige Geliebte Mathilde Wesendonck komponierte als ein leises Les Adieux, wurde von seinem Schöpfer selbst, wie auch das Stück «Träume», als Studie zu dem während dieser Zeit wachsenden Musikdrama «Tristan und Isolde» bezeichnet. Man könnte auch sagen: als eine Art klingende Kreidezeichnung, die sich dann in ein von dunklen Farbtönen dominiertes Gemälde verwandelte.
Stéphanie d’Oustrac singt dieses Lied, von Pascal Jourdan am Flügel kongenial begleitet, mit irisierend fragiler Intensität und einer Hingabe, die überwältigt, ohne je ins Pathetische abzugleiten. Jedes Wort gleicht einer dicken Träne, die sich aus den hochgewölbten ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Jürgen Otten
Die Szene ist Legende. Weil sie so mysteriös ist, buchstäblich von Schlummerwolken umkränzt. «Götterdämmerung», zweiter Aufzug, erste Szene. Ein Mann sitzt, schwer bewaffnet, am Flussufer vor der Gibichungenhalle und schläft. Aber er schläft mit offenen Augen. Träumt er, dämmert er vor sich hin? Oder macht er nur ein kleines Brecht’sches Nickerchen, in dessen...
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Der Nachruhm des Komponisten Nicola Vaccaj (1790-1848) beschränkt sich im Wesentlichen auf seine noch heute gelegentlich verwendete Gesangsschule («Metodo pratico di canto italiano per camera»), doch vergebens sucht man in aktuellen Opernführern nähere Informationen zu einem seiner 17 Bühnenwerke. Das gilt selbst für «Giulietta e Romeo» (Mailand, 1825), ein...
