Dichtung und Wahrheit

Guido Johannes Joerg bringt strahlendes Licht in Leben und Werk des «göttlichen Meisters» Gioachino Rossini

«Solange das Geld, die italienische Oper und die Heimreise zu bezahlen, reicht, – bleibe ich in Wien!», schrieb Georg Wilhelm Friedrich Hegel im September 1824 seiner Frau. Zumal Rossini war es, der den preußischen Systemphilosophen allabendlich in Wien zur Musik zog. Damit befand er sich im Einklang mit der Mehrheit der deutschen Melomanen, deren Begeisterung über den «Napoleon der Musik» keine Grenzen kannte. Überall wurde Rossini gefeiert, aber nirgendwo so überschwänglich wie in Deutschland.

Auch in der Publizistik schlug sich der Taumel im deutschsprachigen Kulturraum früher nieder als in England oder Frankreich. Stendhals 1824 in Paris erschienene «Vie de Rossini», die erste Biografie des Italieners, wurde noch im selben Jahr von dem Leipziger Philosophieprofessor Amadeus Wendt ins Deutsche übersetzt und dabei nicht unwesentlich erweitert. Bereits 1819 war, ebenfalls von Wendt, ein erster Eintrag in der «Allgemeinen deutschen Real-Encyclopädie» vorausgegangen. Die Beschäftigung mit Rossini riss bis zu seinem Tod 1868 nicht ab, auch wenn sein Stern nach der Pariser Julirevolution 1830, seinem Rückzug von der Bühne und dem Paradigmenwechsel von der klassizistischen zur ...

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Opernwelt Juni 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 48
von Uwe Schweikert

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