Deutschstunde
Weil hier die Männer das Wort führen, setzt die Regisseurin Elisabeth Stöppler unmittelbar einen Akzent. Zum Vorspiel zeigt sie Eva, die Tochter des megareichen Pogner, in einem schmalen White Cube als Intellektuelle: Kurzhaarfrisur, Schülerin von Hans Sachs, dem Poetik-Professor im Nebenberuf, der ihr eben ein Lied verreißt. «Fanget an! So rief der Lenz in den Wald …!», hat sie gedichtet, fiebrig niedergeschrieben ist das an den wenige Meter rückwärtigen Zwischenvorhang projiziert, der bald die Hauptspielorte freigibt.
Kurz darauf steckt Eva den Song Walther von Stolzing zu, der zufällig reinplatzt und mit dem Stück später Aufnahme bei den Meistersingern begehrt.
Die Frauen sind bei Stöppler allesamt recht selbstbewusst. Magdalene ist weder Evas «Amme» noch eine Alte, sondern eine autonome, sexuell befreite Künstlerin, die sich den wackeren David, Azubi im Hause Sachs, als Toyboy hält. Ihm gefällt’s augenscheinlich, und Kai Kluge in der Rolle ist überhaupt kein Stoffel, sondern tenorhell und bestens deklamierend. Maria Theresa Ullrich spielt diese Emanze frech und sympathisch. Die ersten Szenen haben Wucht, sind originell, handwerklich präzise umgesetzt. Jeder Charakter bekommt ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Götz Thieme
Man kann in der Weser baden. Man kann es auch sein lassen, denn sie ist wie jedes Gewässer dieser Art unberechenbar. Lastkähne ziehen ihre Kielspur durch den Strom, der schon mehrmals vertieft wurde, die Fließgeschwindigkeit ist hoch, die Verwirbelungen werden unterschätzt. Das alles hält Nadine Lehner nicht davon ab, am Strand beim Café Sand ins Wasser zu steigen....
Entspringt es mangelnder Spielplanabsprachen zwischen den Intendanzen oder einem tieferen gesellschaftlichen Anliegen, dass derzeit Francis Poulencs Tragödie «Dialogues des Carmélites» landauf, landab, zwischen Dresden, Karlsruhe, Nancy und demnächst in Stuttgart zu sehen ist? Wollen sich auch kleinere Opernhäuser mit dem Etikett «Erstaufführung» schmücken? Oder...
Höhere Mächte? Werden nicht sichtbar in der Oper «Rusalka». Wankelmütige Wasserwesen und finstere Frauengestalten hingegen schon. Und wenn gegen diese nichts mehr hilft, kann man immer noch Frau Luna droben am nächtlichen Firmament flehentlich anheulen. So naturschön, so inniglich-irrlichternd wie die trübselige Titelheldin von Dvořáks Musikdrama vermag dies kaum...
