Der Ursprung ist das Ziel
Das Wagnis einer abenteuerlichen Zeitreise in die Vergangenheit stand auf dem Programm der 32. Karlsruher Händel-Festspiele: die historisch genaue Bühnenumsetzung von Händels Oper «Radamisto» 289 Jahre nach ihrer ersten Aufführung im Londoner King’s Theatre 1720. Wie es geklungen hat, glauben wir nach fünfzig Jahren Umgang mit der historisch informierten Aufführungspraxis zu wissen – auch wenn unsere Wahrnehmung eine andere ist als die der damaligen Zuhörer.
An die geschärften Klänge der historischen Instrumente und ihr raueres Timbre, an die schlankeren, geraderen Stimmen der Solisten haben wir uns längst gewöhnt, ja setzen sie schon als selbstverständlich voraus. Die Stücke allerdings – Figuren, Handlung, Text – werden vom modernen Regietheater meist als Lizenz zur Willkür benutzt. Die Beliebtheit barocker Oper heutzutage rührt gewiss auch daher, dass sie dank ihrer offenen Form sich geradezu als Tummelwiese von Aktualisierung, Ironisierung und Persiflage anbietet, auf der man nach Gusto die Musiknummern umstellen oder die Handlung gänzlich umfunktionieren kann.
Der von der belgischen Regisseurin und Choreografin Sigrid T’Hooft in dieser Konsequenz erstmals unternommene Versuch ...
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«Die Schrecken der Oper sind süß», heißt es in Heiner Müllers «Quartett». Es war die Idee des Regisseurs Thomas Bischoff, zwischen Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg» und Schönbergs «Erwartung» eine Kurzversion von Heiner Müllers Schauspiel «Quartett» zu setzen und so den Reigen der Paare, der als knallbunter Werbefoto-Fries den Abend begleitet, bis in die...
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