Edel verchromt

Amsterdam, Bellini: I puritani

Die «Puritani», uraufgeführt 1835 im Pariser Théâtre-Italien und dann weltweit erfolgreich, mussten im 20. Jahrhundert zeitweise von der Bühne abtreten. Die Liebes- und Irrsinnstragödie des Fräulein Elvira auf der Folie der englischen Bürgerkriege, die Mitte des 17. Jahrhunderts tobten, und der betörende Süßstoffgehalt der ihr zugesellten Melodien erschienen aus Sicht der Moderne obsolet. Während der letzten Jahrzehnte wurde Bellinis Œuvre allerdings gründlich rehabilitiert.

Dafür sorgten nicht zuletzt der leidenschaftliche Einsatz von Sopranistinnen wie Maria Callas, Joan Sutherland und Mirella Freni und das Wiedererwachen eines historistischen Bewusstseins.
Nun haben sich De Nederlandse Opera, das Grand Théâtre Genève und die Griechische Nationaloper Athen Vincenzo Bellinis letzter Oper in einer Koproduktion angenommen. In Amsterdam konnte man zum Auftakt zwar keine «Jahrhundertstimme» aufbieten, mit Mariola Cantarero aber immerhin eine Elvira, die trotz anfänglicher Intonationsprobleme und eines manchmal weit ausschlagenden Vibratos die Wahnsinns-Partie mit Verve durchhält. Sie gestaltet ihre Koloraturen mit instrumentaler Präzision und setzt die Spitzentöne mit durchschlagender ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2009
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Frieder Reininghaus

Vergriffen
Weitere Beiträge
Großes Theater in «Big D»

Dallas wird in der Popkultur gern als Hauptstadt der Öl-Barone porträtiert. Ganz im Gegensatz zu diesem Klischee hat der vom Öl herrührende Reichtum aus Dallas während der letzten Jahre zunehmend eine Kulturstadt gemacht. Nicht erst mit dem Morton H. Meyerson Symphony Center, entworfen von dem berühmten Architekten I. M. Pei, mit dem Kimball Art Museum und unlängst...

In den Vorhöfen der Existenz

Kein Zufall, dass die Opernhäuser einen Bogen machen um Manuel de Fallas knapp über einstündigen Zweiakter «La vida breve» von 1905. Immerhin könnte man ihn als eine Art spanische Nationaloper bezeichnen – mangels sons­tiger Masse: De Fallas monumental konzipiertes Spätwerk «Atlántida» blieb unvollendet und in (von Ernesto Halffter) unbefriedigend komplettiertem...

Familiendrama im Revuetheater

Ulrich Schreiber nennt sie den «wichtigsten Beitrag Frankreichs zur veristischen Opernbewegung». Der gute alte Kloiber hatte schon Jahrzehnte zuvor die «fast surrealistisch überhöhten» Milieuschilderungen in Gustave Charpentiers «Louise» hervorgehoben. Eben diesen Weg, den vor kurzem Christof Loy in Duisburg (siehe OW 11/2008) gegangen war, wählt jetzt auch...