So schön authentisch
Paris, 1833: Die Inszenierung von Aubers Oper «Gustave III ou Le bal masqué» hatte es dem schwedischen Botschafter ganz besonders angetan. Das Bühnenbild des letzten Akts, der Bühnenraum des Opernhauses in Stockholm, schien ihm so täuschend echt, dass er sich für einen Moment in der Heimat wähnte. 185 Jahre später scheinen uns solche Reaktionen reichlich naiv. Die enormen technischen Fortschritte und nicht zuletzt der Glanz opulenter Filmproduktionen haben schlichtem Illusionstheater den Garaus gemacht.
Natürlich könnte man täuschend Echtes auch auf der Opernbühne versuchen.
Aber es bliebe doch immer weit hinter den Möglichkeiten von hightech-bewegten Bildern im Kino zurück. Auch wenn der kulinarisch orientierte Teil des Opernpublikums nichts gegen minutiöse Repliken «originaler» Intérieurs einzuwenden hätte: Stillschweigende Übereinkunft unter Theaterdirektoren, Regisseuren und vielen anderen verweigert sich solchen Sehnsüchten.
Doch vor der Bühne sieht es anders aus. Wer die 2003 aus der Asche wiedererstandene Fenice in Venedig besucht, findet dort (und nur dort) fast jedes Detail der Architektur von 1837 wieder. Natürlich fehlt die Patina, alles glänzt ein bisschen zu sehr, ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Einspruch aus dem Elfenbeinturm, Seite 74
von Anselm Gerhard
Herr Schulz, Sie haben bereits seit zwei Jahren an der Staatsoper gearbeitet, zunächst als designierter Intendant, seit September 2017 als Ko-Intendant neben Jürgen Flimm. Ab dem 1. April sind Sie nun endlich alleine auf dem Posten. Wie fühlt sich das an?
Fantastisch! Der Moment könnte nicht besser sein. Zum einen ist das Haus nun frisch saniert, zum anderen wächst...
Einzelarien aus dem umfangreichen Opernschaffen Nicola Porporas fehlen auf kaum einem Album mit Werken aus der Kastraten-Ära. Umso neugieriger durfte man sein, ob und wie Porporas Musik ihre Wirkung auch über die Länge einer kompletten Oper hinweg entfaltet. Das Publikum der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik erlebte bereits 2015 eine Aufführung des Dramma per...
59. Jahrgang, Nr 4
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