Und die im Dunkeln sieht man doch

Ein Stück hat Konjunktur. Weil es hochaktuell ist. Weil es Tendenzen beschreibt, die in der Spätmoderne immer deutlicher zutage treten. Basel, Belfast, Dessau, Halle (Saale) und Neustrelitz zeigen Brecht/Weills «Dreigroschenoper»

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Ein Gespenst geht um in Europa. Doch nicht jenes furchterregende Schreckensbild, das Karl Marx und Friedrich Engels 1848 in ihrem «Kommunistischen Manifest» heraufbeschworen, verbirgt sich hinter der schwarzen Maske. Es ist, wer hätte es gedacht, der Kapitalismus, dessen Wesen und Wirkung die Menschen – neben zahllosen anderen rationalen wie irrationalen Anfechtungen – zusehends ängstigt.

Denn nicht als irgendwie entfesselter Prometheus «beglückt» diese moralbefreite Wirtschaftsform den Kontinent (und, seien wir ehrlich, inzwischen, nach dem «Ende der Geschichte», eigentlich den gesamten Erdenkreis); ihr grelles Licht wirft dort, wo sie erscheint, zugleich riesige Schattenberge, hinter denen der neue, interessengeleitete Mensch mit den «blöden Maulwurfsaugen der Selbstsucht» (Joseph Vogl) zurückbleibt – und dabei mit seinesgleichen äußerstenfalls einen Verein zur gemeinsamen Abwehr des Schlimmsten (oder zum eigenen Aufstieg) unterhält. Die Folgen sind eklatant: Nicht nur die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Es ist vor allem das Gefühl vieler, nicht mehr dazuzugehören, eine kollektive Angst vor dem sozialen Niedergang, kurz: die spätmoderne Vision einer ...

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Opernwelt April 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Jürgen Otten & Wiebke Roloff

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