Der Traum vom Glück

Zweimal zeitgenössisches Musiktheater: «Senza Sangue» von Péter Eötvös, «Die Schneekönigin» von David Philip Hefti

Opernwelt - Logo

Die Konstellation kommt nicht von ungefähr, sie hat ein Vorbild: ein Paar aus Frau und Mann, verklammert an einem Ort, der Geheimnisse und (vergebliche) Hoffnungen ebenso bereithält wie Offenbarungen. Erkennbar bezieht sich Péter Eötvös in seinem zehnten Musiktheater «Senza Sangue» auf den Einakter «Herzog Blaubarts Burg» seines Landsmannes Béla Bartók.

Doch schon die literarische Vorlage, Alessandro Bariccos Novelle «Senza sangue» von 2002, verändert die Perspektive der beiden Protagonisten: Sie, Nina, ist um die 60, also wesentlicher älter als Bartóks Judith, er, Pedro Cantos, sogar schon 72. Ein Großteil des Lebens liegt hinter ihnen, die Zahl der zukünftigen Verheißungen ist überschaubar, die der Verwundungen und erlebten Enttäuschungen hingegen enorm. Da war allzu viel Gewalt im Spiel. Und jener Hauch von Erotik, der zwischendurch aufscheint, wirkt in diesem Kontext eher wie eine verzweifelte Suche nach einer längst verblichenen Utopie.

Eötvös findet für diese Melancholie des Alter(n)s, für den Schmerz, der die Protagonisten durchglüht, genau den richtigen Ton und auch die entsprechenden Klänge. Darin hält sich Luzides mit Abgründigem ebenso die Waage wie Aufbegehrendes mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Wenn der Himmel weint

Die Mitteilung lässt es an Deutlichkeit nicht mangeln. «Soffro». Ich leide, so sagt es unumwunden das literarische Alter Ego von Ada Negri in ihrem Gedicht «Nebbie», das vielleicht in Vergessenheit geraten wäre, hätte nicht Ottorino Respighi eine Musik dazu geschrieben, die uns noch heute unter die Haut geht. Zumal dann, wenn sich ein so begnadeter Textausdeuter...

Nachtschwarz

Verdis «Don Carlos» ist immer eine vertrackte Sache. Entscheidender noch als die musikphilologisch exakte Befolgung einer wie auch immer authentischen «Ur»-Fassung ist die Wahl der Sprache. Da kommt man heute, will man sich ernsthaft auf die von Verdi gelegte Struktur des Werks einlassen, um das Französische (und damit um die fünfaktige Anlage) nicht mehr herum....

Unvergleichlich

Es ist der 19. Januar 2004, der gemeinhin als Datum einer neuen Gruberová-Zeitrechnung gilt. Sicher, da war noch immer das technische Wunderwerkzeug, das sie in der Premiere von Donizettis «Roberto Devereux» vorführte. Die Tonfontänen, die sie bis in die Stratosphäre schoss. Die Klangfäden, silberfein leuchtend, endlos lang gesponnen und doch so reißfest. Überhaupt...