Auf Josephas Spuren
Mit gelindem Sarkasmus drückt Wolfgang Hildesheimer in seinem viel zitierten Mozart-Buch angesichts der Uraufführung der «Zauberflöte» die Hoffnung aus, dass die Sänger dieser Premiere «nicht so aussahen, wie die zeitgenössische Illustration sie dargestellt hat». In dieser Sängerriege befand sich auch Josepha Weber née Hofer und Schwester von Mozarts «Stanzerl» – als Königin der Nacht. Und in der Tat zeigt jenes Bildnis nicht unbedingt eine Frau, auf die das Attribut «zum Anbeißen» passte.
Doch darauf kam es bei Josepha nicht an, denn sängerisch dürfte sie ihre Zeitgenossen – nicht nur Emanuel Schikaneder, dessen Ensemble am Freihaustheater auf der Wieden sie jahrelang angehörte – völlig überzeugt haben. Sondern nicht zuletzt Mozart selbst, denn die beiden so kniffligen Arien der Königin der Nacht schrieb er speziell für sie.
Sarah Traubel, 34, Mannheimerin (und zugleich Großnichte der amerikanischen Sopran-Legende Helen Traubel) begibt sich in ihrem Debüt-Album auf die Spuren dieser ältesten der aus Zell im Wiesenthal stammenden, vorwiegend in Mannheim aufgewachsenen Weber-Schwestern. Traubel sucht dabei Josephas enorme Bandbreite vom Lyrischen zur dramatischen Koloratur ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Gerhard Persché
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