Auf Josephas Spuren
Mit gelindem Sarkasmus drückt Wolfgang Hildesheimer in seinem viel zitierten Mozart-Buch angesichts der Uraufführung der «Zauberflöte» die Hoffnung aus, dass die Sänger dieser Premiere «nicht so aussahen, wie die zeitgenössische Illustration sie dargestellt hat». In dieser Sängerriege befand sich auch Josepha Weber née Hofer und Schwester von Mozarts «Stanzerl» – als Königin der Nacht. Und in der Tat zeigt jenes Bildnis nicht unbedingt eine Frau, auf die das Attribut «zum Anbeißen» passte.
Doch darauf kam es bei Josepha nicht an, denn sängerisch dürfte sie ihre Zeitgenossen – nicht nur Emanuel Schikaneder, dessen Ensemble am Freihaustheater auf der Wieden sie jahrelang angehörte – völlig überzeugt haben. Sondern nicht zuletzt Mozart selbst, denn die beiden so kniffligen Arien der Königin der Nacht schrieb er speziell für sie.
Sarah Traubel, 34, Mannheimerin (und zugleich Großnichte der amerikanischen Sopran-Legende Helen Traubel) begibt sich in ihrem Debüt-Album auf die Spuren dieser ältesten der aus Zell im Wiesenthal stammenden, vorwiegend in Mannheim aufgewachsenen Weber-Schwestern. Traubel sucht dabei Josephas enorme Bandbreite vom Lyrischen zur dramatischen Koloratur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Gerhard Persché
Wir befinden uns in einem Hörsaal der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg, in den 1990er-Jahren. Der Professor, auf dessen Lehrplan Kant und Machiavelli stehen sollten, doziert darüber, wie sich der Mythos mit seinem Drang der wiederholenden Erzählung kollektiver Erfahrungen und die lineare Geschichtsschreibung unterscheiden. Er erklärt Richard Wagners...
Sehr knapp war das. Während sämtliche Juni- und August-Konzerte der Schubertiade dasselbe Schicksal ereilte wie gefühlt 99 Prozent aller Konzerte, sollte an drei Juli-Tagen im Markus-Sittikus-Saal zu Hohenems wenigstens der Nachwuchs zum Zuge kommen. «Neue Stimmen», das mag ein Nebenprogramm vor weniger Zuhörern sein, aber immerhin: Schauplatz ist das Lied-Mekka...
Wer in diesem Sommer nach Bayreuth kommt, muss auf Musik nicht verzichten, nicht mal auf die von Richard Wagner. In Wahnfried, seiner ehemaligen Villa, in der Stadtkirche oder an der frischen Luft in der Wilhelminenaue: Überall finden vor kleinem Publikum Konzerte statt. Unter dem Titel «Summertime Bayreuth 2020» hat die um ihre Touristen fürchtende Stadt in...
