Der Populist darf nicht gewinnen
Darf man? Muss man? Braucht «Moses und Aron» den dritten Akt – oder ist er überflüssig wie ein Kropf? Fast zwei Jahrzehnte hatte Arnold Schönberg sich vergebens damit abgeplagt, einen Schluss für sein Opus magnum zu finden, und seine Witwe stellt im Nachwort zum Klavierauszug des zweiaktigen Torsos fest: «Wie es ist, so hat es sein sollen». Zoltán Kocsis, Komponist und Chefdirigent der Ungarischen Nationalphilharmonie, ein bukolischer, freundlich übersprudelnder Mensch, ist anderer Ansicht. «Ich konnte das Ende nicht so stehen lassen, wie es im Fragment präsentiert wird.
Wie es ist, endet es mit Moses’ Scheitern, aber meiner Überzeugung nach muss er unbedingt gewinnen.» Aron, der Populist, dürfe nicht als Sieger dastehen – das sei ja ein auch heute aktuelles Problem.
Schönberg litt seit den frühen Skandalen, die seine Kompositionen provozierten, unter der Diskrepanz zwischen der künstlerischen Wahrheit und der Notwendigkeit, diese dem Publikum zu vermitteln. »Moses und Aron» weitet diesen Konflikt ins Weltanschauliche: Auch das auserwählte Volk in der Wüste kann mit der Idee des einzigen, unvorstellbaren Gottes nichts anfangen, so lange sie ihm nicht anschaulich verkauft wird. Da ...
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