Der Krise trotzen
Am 29. Juni 2010 schien die Sonne über Italien, und sie schien im Norden wie im Süden, im Westen und im Osten. Doch so sehr Helios auch strahlte – das Unwetter, welches ein Mann namens Sandro Bondi ins Werk setzte, war ungleich stärker. Denn an diesem für sämtliche Künste rabenschwarzen Tag passierte jenes Gesetz, das der italienische Kulturminister – mit hoher Gewissheit im Auftrag von Ministerpräsident Silvio Berlusconi – ersonnen hatte und das sogleich als Bondi-Dekret traurige Berühmtheit erlangte, den Senat. Ein Desaster wurde rechtskräftig.
Daran ändert auch die Revolte vieler Kulturschaffender wenig. Mag die Vision eines gänzlich opernlosen Landes zum gegenwärtigen Zeitpunkt (noch) übertrieben anmuten, radikal sind die Einschnitte in jedem Fall, und sie bedrohen die Existenz zumal der kleinen Häuser von Triest bis Cagliari. Von den bisher rund 340 Millionen Euro, die aus dem Theaterfonds «FUS» flossen, wurde ein Drittel gestrichen. Zwei Jahre darf niemand eingestellt werden, erhöhte Subventionen sind nur noch zu bewilligen, wenn gleichzeitig Sponsorengelder eingeworben werden können, Haustarife gibt es faktisch nicht mehr.
Aber Festivals, die gibt es. Noch. Von Macerata ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Plappern gehört zum Handwerk. Siegfried Matthus, Komponist und Impresario im brandenburgischen Rheinsberg, war noch nie auf den Mund gefallen, wenn es um die Beförderung der eigenen Sache ging. Ohne seine PR-Arbeit wäre die Idee, am Jugendsitz des Preußenkönigs Friedrich II. ein Festival für Nachwuchssänger einzurichten, wohl nie realisiert worden. «Kammeroper...
Wieder mal nach Bad Wildbad. Wieder mal das erste Viertel Weißherbst auf der Terrasse des «Bären», der seit einer Weile auch «Hotel Rossini» heißt. Wie auch nicht? Der Maestro suchte sich, 1856 hier logierend, im Tal der Enz schließlich von seinen Gebrechen zu kurieren. Wieder also bei «Rossini in Wildbad», dem kleinen, aber feinen Festival im Nordschwarzwald, dem...
Die Kammeroper «Pnima» war die herausragende Produktion der Münchener Biennale für Neues Musiktheater im Jahr 2000, sie wurde in der Kritikerumfrage dieser Zeitschrift zur «Uraufführung des Jahres» gewählt. Der ethisch und ästhetisch hoch riskante Versuch der 1957 geborenen israelischen Komponistin Chaya Czernowin, die Judenvernichtung durch die Nazis, genauer:...
