Holocaust in den Seelen
Die Kammeroper «Pnima» war die herausragende Produktion der Münchener Biennale für Neues Musiktheater im Jahr 2000, sie wurde in der Kritikerumfrage dieser Zeitschrift zur «Uraufführung des Jahres» gewählt. Der ethisch und ästhetisch hoch riskante Versuch der 1957 geborenen israelischen Komponistin Chaya Czernowin, die Judenvernichtung durch die Nazis, genauer: deren Nachhall, in ein Musiktheater zu bannen, erhielt damals durch Claus Guths Regie ein starkes Bild: auf der Bühne ein zerschlissenes leeres Zimmer, darin verloren zwei stumme Darsteller.
Wie jetzt dasselbe Stück am Staatstheater Stuttgart mit Bild, Mensch und Geste fast manisch angefüllt ist, das sieht aus wie das genaue Gegenteil der Uraufführung: Nicht Leere einer Bühne, sondern ihre kunstvolle Bespielung ist das, was die koreanische Regisseurin Yona Kim aus Chaya Czernowins Stück heraushören will. Und es hat seine imaginative Logik.
Der Holocaust in den Köpfen und Seelen der folgenden Generationen, er muss nachbeben – Czernowins Thema. Die Komponistin aus Israel wollte für ihr Musiktheater keine «Geschichte» erfinden, sondern alles der Musik überantworten. Ihre musikalische Fantasie führt sie in eine ungeheuer ...
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Opernwelt September/Oktober 2010
Rubrik: Festivals II / Panorama, Seite 66
von Wolfgang Schreiber
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