Der Krimi geht weiter
Die Offenbach-Philologie ist eine Katastrophe. Wer wissen möchte, in welcher Form der Meister seine Werke niederschrieb, greift seit 1999 zu der vom Verlag Boosey & Hawkes sogenannten «Kritischen und praktischen Ausgabe» von Jean-Christophe Keck. Die Bezeichnung macht stutzig. Eine praktische Ausgabe macht Theatern ein Werk in spielbarer Form zugänglich. Eine historisch-kritische Ausgabe druckt alle erreichbaren Quellen so ab, wie sie überliefert sind – ungeachtet ihrer Aufführbarkeit. Eine «kritische und praktische Ausgabe» ist also ein Ding der Unmöglichkeit.
Schlägt man die Kaufpartitur von «La Vie parisienne» in der Offenbach-Edition Keck (OEK) auf, stolpert man gleich über die «Ouverture de concert (Version de Vienne)» und die Angabe, dass die «Instrumentation von Jean-Christophe Keck für die Pariser Orchesterbesetzung bearbeitet» worden sei. Warum «Konzertouvertüre»? Der Kritische Bericht, der aus Kostengründen nur als CD-ROM beiliegt, gibt keine Auskunft. Wie sieht Offenbachs Originalinstrumentation aus? Auch darüber schweigt er sich aus. Welche Quellen gibt es und wo liegen sie? Das Quellenverzeichnis nennt zwei Partiturabschriften der Wiener Fassung im Verlagsarchiv Bote & ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Boris Kehrmann
Bei aller Düsternis, Schwärze und depressiven Kraft hat der Abend auch etwas von einer Etüde. Er wirkt so, als wolle die Oper sich versuchsweise mit dem sogenannten postdramatischen Theater abgleichen. Als würde Andrea Breth, die nicht nur vom Schauspiel kommt, sondern auch Schauspiel unterrichtet, mal ausprobieren, wie viel man rüberholen kann in die andere...
Da kneift man sich diesen ganzen Freiburger «Rigoletto» hindurch: Eine Bühne, die es mit Ligeti, Kagel und Penderecki, mit dem Strauss der «Elektra», jüngst einem hochrespektablen «Lohengrin»und zum wiederholten Mal dem kompletten «Ring»aufnimmt – diese Bühne erlebt beim mittleren Verdi ein Problem nach dem anderen. Vor allem staunt man, wie schwer diese...
Zeitgenössische Opern sollten nach ihrer Uraufführung eine zweite Chance erhalten. Von dieser kulturpolitisch sinnvollen Forderung profitieren leider selten die sperrigen Werke (es sei denn, sie genießen den Kultstatus von Helmut Lachenmanns «Mädchen mit den Schwefelhölzern»), sondern meist Opern, die an das Repertoire, die Tradition, das klassische Gesangsideal...
