Melancholie und Familienchaos
Zeitgenössische Opern sollten nach ihrer Uraufführung eine zweite Chance erhalten. Von dieser kulturpolitisch sinnvollen Forderung profitieren leider selten die sperrigen Werke (es sei denn, sie genießen den Kultstatus von Helmut Lachenmanns «Mädchen mit den Schwefelhölzern»), sondern meist Opern, die an das Repertoire, die Tradition, das klassische Gesangsideal andocken. Dem in Düsseldorf lebenden und lehrenden Manfred Trojahn kann es recht sein.
Er hat die Heraufbeschwörung der tönenden Erinnerung immer schon als Chance verstanden, mit dem Publikum über ein vertrautes Vokabular in Kontakt zu treten. «Der Komponist sehnt sich nach einem Rezipienten, den er mit seiner Musik berühren kann», so hat es einmal der immer auch wortgewandte Komponist formuliert.
In seiner vierten Oper «La Grande Magia», die nach der Uraufführung bei den Dresdner Musikfestspielen 2008 jetzt am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier ihre zweite Chance bekam, berührt Trojahns Musik auch diejenigen unmittelbar, die nicht zum «wetterfesten Häufchen berufsgebundener Festivalbesucher» (Trojahn) zählen. Die von Lutz Rademacher mit Engagement und Liebe zum Detail geleitete Neue Philharmonie Westfalen spielte in ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Michael Struck-Schloen
Dass (Opern-)Komponisten mit fortgeschrittenem Alter die Komik für sich entdecken, ist gar nicht selten. Verdis «Falstaff» ist sicher das bekannteste Beispiel. Doch auch Jules Massenet hat gegen Ende seiner Laufbahn mit «Panurge» (1911-1912 – posthum 1913 uraufgeführt) und zuvor mit «Don Quichotte» (1909) zwei komische Opern vorgelegt. Von der überbordend...
Der Himmel hängt voller Folianten. Es wirkt bedrohlich, wenn sich aus dem Schnürboden eine gigantische Bücherwand auf Fausts Studierstube herabsenkt. Noch schwerer als das gesammelte Wissen allerdings drückt den Herrn Doktor die Last des Alters. Da aber weiß zum Glück Monsieur Mephisto Rat – und tatsächlich zwängt sich ein frühlingshaft belaubter Ast durch die...
Abschied
Er selbst bezeichnete sich einmal als «Kritiker, Dramaturg, Intendant und Bücherschreiber über Musik und Kunst». 1931 in Budapest in eine jüdische Familie hineingeboren, überlebte Ivan Nagel den Naziterror in einem Budapester Versteck, bevor er 1948 nach Zürich floh. Nach dem Studium in Paris, Heidelberg und Frankfurt am Main, wo er u. a. Philosophie bei...
