Der Kindermord von Wien

Peter Androschs Spiegelgrund im historischen Sitzungssaal des österreichischen Parlaments

Im Jahr 1940 richteten die Nationalsozialisten auf dem Gelände der Heilanstalt Am Steinhof eine «Kinderfachabteilung» unter der Flurbezeichnung «Spiegelgrund» ein. Ihre Aufgabe war, «lebensunwertes Leben» zu vernichten. Im April 2002 wurden in Wien die Überreste von 789 der ermordeten Kinder auf dem Zentralfriedhof bestattet. Ein später Akt der Rehabilitierung. Weniger erfreulich: Einer der Mordärzte, Heinrich Gross, entging bis zu seinem Tod 2005 einer Verurteilung.

Als ein Beinahe-Opfer, Friedrich Zawrel, der als Kind fliehen konnte, Gross, der es inzwischen zum Psychiatriegutachter der Republik Österreich gebracht hatte, als seinen Peiniger wiedererkannte, suchte der Entlarvte ihn durch ein vernichtendes Gutachten unglaubwürdig zu machen. Wie viel Mühe es Waltraud Häupl (Die ermordeten Kinder vom Spiegelgrund, 2006), die im Spiegelgrund eine Schwester verlor, kostete, über die Verbrechen im Nachkriegsklima des Vertuschens und Beschönigens zu recherchieren! Stoff fürs Theater? Oder für eine Oper?

Peter Androsch, Gründer der «Hörstadt Linz», erbitterter Kämpfer gegen akustische Umweltverschmutzung und begabter Komponist, hat es gewagt und einen Text von Bernhard Doppler mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2013
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Dietmar Polaczek

Weitere Beiträge
Neue Impulse im alten Plüschkasten

 Das Cello-Solo im ersten Akt dirigiert er aus. Und auch sonst ist Lawrence Renes ziemlich pingelig bei dieser Walküre. Einfach die Musik laufen lassen – das fällt ihm vorerst noch schwer. Das dürfte vor allem zwei Gründe haben: Erstens ist das Stück noch relativ frisch für den neuen Musikchef der Stockholmer Oper. Und zweitens braucht das Orchester genaue...

Apropos... Wagner und Belcanto

Herr Tómasson, viele Fernsehzuschauer waren im Dezember vergangenen Jahres von Ihrem Telramund an der Mailänder Scala begeistert. Einige Besucher vor Ort hatten aber Zweifel...
Dass man vor Ort vielleicht den Eindruck gewinnen konnte, ich komme nicht richtig herüber, liegt daran, dass ich mich, ehrlich gesagt, während des ersten Akts ein wenig geschont habe. Um bis...

TV-Klassiktipps

arte


1./7.3. – 6.00 Uhr
Arcadi Volodos
aus dem Musikverein Wien. Werke von Schumann und Liszt.

2.2. – 5.10 Uhr (3)
3.3. – 18.00 Uhr (4)
Operngeschichten.
Dokumentationsreihe von
Nicolas Crapanne. 3. La clemenza di Tito. 4. Carmen.

3.3. – 18.30 Uhr
8./19.3. – 6.00 Uhr
Kurt Masur dirigiert
Beethoven, Brahms und Bach. Gewandhausorchester Leipzig und Thomanerchor Leipzig.
Solist...