Molto Apassionato
Aus Wagners Briefen geht hervor, dass er für das, was er als «die gemeinte Idealität des Affekts» bezeichnete, nicht weniger forderte als Selbstaufopferung. Der Gesangspädagoge Otto Iro sprach darob von «völliger Unkenntnis der Grundgesetze menschlicher Stimmfunktion». Wie maßlos Wagners Anforderungen waren, zeigte eine konzertante Aufführung des Rienzi, mit der Simone Young in der Hamburger Musikhalle ihr Wagner-Jahr eröffnete.
Die Musikhalle erwies sich als viel zu klein für die von der Dirigentin zugespitzten Klangmassierungen der Blechbläser oder der molto appassionato anbrandenden Chorszenen. Sich dagegen durchzusetzen, verlangte Ricarda Merbeth als Irene und Katja Pieweck in der mörderischen Partie des Adriano die letzten Energiereserven ab.
Umso erstaunlicher, wie glorios sich Andreas Schager als Rienzi behauptete. In dieser Partie hatte am 20. Oktober 1842 mit Joseph Tichatschek der erste Heldentenor die Bühne betreten. «Der besondere Tenorklang Tichatscheks blieb mir für alle Zeiten maßgebend und mag dazu beigetragen haben», so Wagner 1875, «dass ich – was ich später öfters bereute – die führenden Partien in meinen Werken für diese Stimmgattung geschrieben habe.» Auf den ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Jürgen Kesting
Die ersten Takte signalisieren Jahrmarkt oder Music Hall, leicht angeschrägt. Man könnte auch an die Klangchiffre eines kreiselnden Roulette-Rades denken: Wir befinden uns in einem imaginären Spielcasino, in «Roulettenburg». Dort spielt, frei nach Dostojewskij, die Oper Der Spieler, ein frühes Projekt Sergej Prokofjews, das er schon 1917 für das Mariinsky-Theater...
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