Der Kaiser als Gentleman
Sie ist die Strippenzieherin im Reiche Roms. Sie will den Kaiser ermorden lassen, weil der es zunächst ablehnt, sie zu heiraten. Vitellia ist eine Auftraggeberin für Killer, die die schmutzige Arbeit an ihren Geliebten Sesto delegiert und am Ende doppelt glücklich davonkommt, weil das Attentat gescheitert ist und sie ausgerechnet von ihrem Wunschopfer begnadigt wird. So viel Boshaftigkeit und die späte Einsicht, sich verrannt zu haben, erfordern eine wandlungsfähige Stimme. Alexandrina Pendatchanska besitzt zweifellos eine solche.
Bei der von René Jacobs geleiteten konzertanten Aufführung von Mozarts «Tito» in der Kölner Philharmonie war sie der Dreh- und Angelpunkt in einem äußerst homogenen und gleichzeitig sehr differenziert agierenden Sängerensemble. Die Zweigliedrigkeit ihrer Auftrittsarie «Deh se piacer mi vuoi» mit ihrem kokettierend-werbenden ersten Teil und dem mahnenden zweiten arbeitete sie mit einer besonders in den Koloraturen überzeugenden Entschlossenheit heraus. Auch die Rezitative, vor allem das «Ecco il punto» im zweiten Akt, füllte sie mit einer die fehlende Bühne vergessen machenden dramatischen Gestaltungskraft. In der nachfolgenden Arie «Non più di fiori» ...
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Wer sich an «La clemenza di Tito» wagt, Mozarts zeitgleich mit der «Zauberflöte» entstandenes «Dramma serio per musica», hat es doppelt schwer. Was tun mit einer Musik, die nur in Teilen (Arien und Accompagnati) von Mozart selbst stammt und die sich, weil seine blaublütigen Auftraggeber es aus Anlass der Krönung des österreichischen Kaisers Leopold II. zum...
Zu den heimlichen Herrschern der Opernszene gehören sie nicht. Noch nicht? Bis vor wenigen Jahren waren Sponsoren kein wirklich großes Thema für unsere Opernhäuser. Das hat sich geändert. Die Bayerische Staatsoper zum Beispiel konnte ihre Sponsoreneinnahmen seit 2001 um das Fünffache erhöhen. Und dies ist nur ein besonders signifikantes Beispiel. Je mehr sich der...
«Mozart war einer jener Denker und Bürger, die sich intensive Gedanken über das ‹nächste› Europa machten (...) Wo Mozart aufhörte, beginnen wir», sagte Regisseur Peter Sellars in einer Pressekonferenz Ende November in Wien, bei der er das ambitionierte Gesamtprogramm des Festivals «New Crowned Hope» (14. November bis 13. Dezember 2006) vorstellte. Das Budget,...
