Der Himmel so schwarz
Geschichte, und hierin liegt der fundamentale Irrtum Francis Fukuyamas, ist nie zu Ende. Geschichte wiederholt sich, in Schleifen oder Schüben, Kreisen oder Wellen, und hier wiederum irrte Marx: Eine Farce ist Geschichte selten, eine Tragödie hingegen schon. Es genügt, um einen Beleg für dieses Theorem zu finden, das Gedenken an den 7. Oktober 2023.
An diesem Tag überfiel ein Terrorkommando der Hamas den an der Grenze zum Gazastreifen gelegenen Kibbuz Kfar Aza und richtete dort ein Massaker an, das in seiner Brutalität einzigartig war, letztlich jedoch ein Kontinuum darstellt, als Ausdruck eines tiefliegenden Hasses gegen das jüdische Volk. Man sollte die Ereignisse nicht miteinander vergleichen. Und doch gibt es eine Parallele zu den Vorfällen vom 5. September 1972 bei den Olympischen Spielen, als elf israelische Sportler, die nach München gekommen waren, um sich in einem fairen Wettkampf zu messen, von palästinensischen Terroristen ermordet wurden. Und auch schon damals schaute die Welt zu – das zu Beginn des Jahres in die Kinos gekommene Filmdrama «September 5» legt davon so erschütternd wie glaubwürdig Zeugnis ab.
Diese Vorrede ist nötig, um die (kultur)politische Dimension ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
Becketts Figuren sind ausnahmslos erschöpft und ausgelaugt Wartende, im Grunde ähneln sie den Figuren Tschechows. Der Unterschied liegt in der Perspektive. Während Tschechows Figuren auf etwas warten, das in der Zukunft liegt (aber nie erscheinen wird), warten Becketts Figuren nur noch auf das Ende. Sie haben jede Hoffnung, es würde sich in ihrem Leben noch etwas...
Zu den erstaunlichen Aspekten dieses in vielfacher Hinsicht erstaunlichen Stücks gehört, dass es von einem jungen Mann geschrieben wurde. «Guercœur» mutet in vielem an wie ein opus summum. Albéric Magnard war aber Mitte Dreißig, als er daran arbeitete. Eine Tragédie en musique nennt er sein zwischen 1897 und 1900 entstandenes Werk, knüpft damit ans barocke...
Herr Fioroni, in seinem Roman «Herkunft» beschreibt Saša Stanišić sehr anschaulich, wie polyvalent und widersprüchlich der Begriff ist. Auch bei Ihnen scheint das der Fall zu sein: Dem Namen nach würde man einen Italiener vermuten, aber Sie sind Schweizer und in Deutschland aufgewachsen. Das klingt nach einer polyglotten Identität …
Das stimmt. Identität und...
