Der dritte Weg
Vollendet das ewige Werk» – so verkündet es Wotan zu Beginn der zweiten Szene von «Rheingold», dem Vorspiel zu Richard Wagners «Ring des Nibelungen». Geschätzte fünfzehn Stunden später, am Ende der «Götterdämmerung», liegt alles in Schutt und Asche. Da sitzt er nun wieder träumend in seinem Sessel, den Schlapphut auf dem Kopf, den (noch oder wieder) heilen Speer in der rechten Hand. Das mächtige Bild vom Beginn zeigt wieder die von den Riesen erbaute Burg, jetzt allerdings im Vollbrand.
Theaternebel wird hereingeblasen, orange flackerndes Licht dazugegeben, während die hervorragende technische Abteilung von Sebastian Bogatu gar einen lichterloh brennenden Statisten über die Bühne der Zürcher Oper eilen lässt.
Auch hier, wie beim Drachen und der Kröte, wie beim Baum Hundings und Brünnhildes Felsen in früheren Phasen des Geschehens, mochte der Regisseur Andreas Homoki nicht auf die von Wagner vorgegebenen Effekte verzichten. Er hätte sich dadurch allzu sehr in die Nähe jener auf Reduktion und Abstraktion fokussierten Bühnenästhetik begeben, die von Wieland Wagner ab 1951 in Neu-Bayreuth als Markenzeichen gepflegt wurde und in der Folge weite Kreise zog – bis hin zur letzten Zürcher ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Im Fokus, Seite 8
von Peter Hagmann
Bis vor Kurzem war die wechselvolle Geschichte der französischen Tragédie en musique zwischen dem Tod ihres Schöpfers Jean-Baptiste Lully 1687 und ihrer Erneuerung durch Jean-Philippe Rameau mit seiner ersten, 1733 uraufgeführten Oper «Hippolyte et Aricie» ein schwarzes Loch. Jean-Jacques Rousseaus polemische Bemerkung, es handle sich dabei um «minderwertige...
Als Karlheinz Stockhausens «Sonntag aus Licht» 2011, drei Jahre nach dem Tod des Komponisten, in Köln uraufgeführt wurde, kamen größere Teile des Publikums in weißer oder goldener Kleidung. Warum? Weil es die Farben dieses Wochentags sind. Und weil es in Deutschland durchaus eine Stockhausen-Gemeinde gibt, die ihren «Meister» nicht nur aus musikalischen Gründen...
Das also ist des Pudels Kern! Kein kapriziöser Kobold, kein Sartyr und auch kein Zauberer – ein General im sandfarbenen Militäranzug tritt vor den Gelehrten Faust hin, haust gar im gleichen Haus, eine Etage tiefer (Ausstattung: Camilla Bjørnvad), im düsteren Satanszimmer. Während der (vermeintliche) Titelheld noch chemische Formeln an jene Tafel schreibt, die auch...
