Der dritte Weg
Vollendet das ewige Werk» – so verkündet es Wotan zu Beginn der zweiten Szene von «Rheingold», dem Vorspiel zu Richard Wagners «Ring des Nibelungen». Geschätzte fünfzehn Stunden später, am Ende der «Götterdämmerung», liegt alles in Schutt und Asche. Da sitzt er nun wieder träumend in seinem Sessel, den Schlapphut auf dem Kopf, den (noch oder wieder) heilen Speer in der rechten Hand. Das mächtige Bild vom Beginn zeigt wieder die von den Riesen erbaute Burg, jetzt allerdings im Vollbrand.
Theaternebel wird hereingeblasen, orange flackerndes Licht dazugegeben, während die hervorragende technische Abteilung von Sebastian Bogatu gar einen lichterloh brennenden Statisten über die Bühne der Zürcher Oper eilen lässt.
Auch hier, wie beim Drachen und der Kröte, wie beim Baum Hundings und Brünnhildes Felsen in früheren Phasen des Geschehens, mochte der Regisseur Andreas Homoki nicht auf die von Wagner vorgegebenen Effekte verzichten. Er hätte sich dadurch allzu sehr in die Nähe jener auf Reduktion und Abstraktion fokussierten Bühnenästhetik begeben, die von Wieland Wagner ab 1951 in Neu-Bayreuth als Markenzeichen gepflegt wurde und in der Folge weite Kreise zog – bis hin zur letzten Zürcher ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Im Fokus, Seite 8
von Peter Hagmann
Bergamo bebte. Gleich fünf neue Opernproduktionen sowie verschiedenartige weitere Formate, darunter die traditionelle Geburtstagsfeier für Donizetti am 29. November, bildeten einen würdigen Rahmen für die diesjährige Ausgabe des Festivals. Mit «LU OperaRave», einer Rave-Version von «Lucia di Lammermoor», an der einige der führenden europäischen Elektronikmusiker...
Manchen Werken der Musikgeschichte wird bescheinigt, sie würden den Geist einer Epoche konservieren. Mit Blick auf die wieder sehr in Mode gekommenen 1920er-Jahre mag das auf George Gershwins «Rhapsody in Blue» zutreffen, mit ihrem wilden Amalgam aus Jazz, Blues und klassischer Symphonik, oder auch auf dessen Tondichtung «An American in Paris», wo der Komponist...
Er zählt zu den eigenwillig schillernden, ihre künstlerische Individualität konsequent, nie lautstark verteidigenden Figuren der Neuen Musik nach dem Zweiten Weltkrieg. Umso bohrender in ihrer geisterhaften Komplexität ist York Höllers einzige Oper, die moderne Faust-Legende «Der Meister und Margarita» auf Michail Bulgakows gleichnamigen Roman. Nur wenige...
