Song Contest statt Sängerkrieg
Vielleicht ist ja die Fragestellung mittlerweile gänzlich obsolet geworden. Vielleicht gibt es den von der Gesellschaft verkannten, geächteten Künstler als Rebell, als Avantgardist gar nicht mehr. So, wie ihn Richard Wagner mit seiner Figur des Tannhäuser beschreibt. Zumal in Zeiten, in denen die Mechanismen des Marktes das kulturelle Geschehen dominieren: Pop ist überall. Dann wäre jede Inszenierung dieser schwierigen, Wagner selbst nie zufriedenstellenden Oper, museal. So wie die Harry Kupfers an der Zürcher Oper.
Fünfmal hat sich der nunmehr 75-jährige Altmeister des Regietheaters mit Wagners «großer romantischer Oper» auf der Bühne auseinandergesetzt, aber so etwas wie ein Opus summum ist aus seiner vorerst letzten Interpretation nicht geworden. Eher eine, leider sehr oberflächliche, Bilanz seiner Sichtweisen auf diese Künstleroper. Man steigt in Zürich in eine Zeitmaschine ein: Wenn sich der Vorhang zum «Bacchanale» öffnet, hat man es wieder vor Augen, Kupfers Theater der 1980er Jahre, in der Bildästhetik seines langjährigen Bühnenbildners Hans Schavernoch. Viel Technik, viel Kunststoff, rotierende, und dabei unangenehm knarzende, irgendwo und irgendwie futuristisch wirkende ...
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Der Olymp liegt hinter einer Flügeltür. Oben auf der Galerie, zu der eine hochherrschaftliche Treppe führt, die das holzvertäfelte Vestibül symmetrisch in zwei Hälften teilt. Links und rechts neben der Tür hängen die Ahnen an der Wand. In Öl, ordentlich gerahmt. So entrückt wie der meist abwesende Patriarch (Jupiter), der, vom Treiben unten im Foyer hermetisch...
Auch größte Mozart-Liebhaber – sind wir das nicht irgendwo alle? – haben an dieser Geschichte gezweifelt. Dass zwei Freunde ihre beiden Verlobten verlassen, um ihre Treue zu prüfen, weil sie darauf eine Wette eingegangen sind, mag man ja noch glauben. Dass sie verkleidet zurückkehren und den beiden Schwestern den Hof machen – und zwar der jeweils anderen – mit...
Den Geburtsfehler haben schon anlässlich der Uraufführung 1981 an der Deutschen Oper Berlin hellsichtige Kritiker wie Joachim Kaiser beschrieben: «Zur Oper fehlt es ... an Gestalten, fehlt ihr die Handlung, Gedichte, Zitate, Figuren, Überraschungen, Haltungen». Das empfindet man heute noch genauso. «Aus Deutschland», Mauricio Kagels Versuch über die deutsche...
