Der bewegte Mensch
Schluss jetzt, sagen die beiden leicht zerknitterten Herren auf dem Podium. «Es bleibt dabei, dies wird meine letzte Oper sein», meint der Ältere (82), der Jüngere (63) schließt sich an: «Das tue ich nicht mehr!» Und lächeln einander so verständnisinnig an, als könnten sie wirklich zurückblicken auf ein volles, rundes, von gemeinsamen Premieren gepflastertes Bühnenleben. Wer aber aus der kleinen Runde von Freunden, Kollegen und Presseleuten, die da zusammengetroffen sind am 12.
Mai dieses Jahres zum «meet & greet» in den Räumen der Universal Edition in Wien, möchte auch nur ein halbes Komma glauben von diesem Bekenntnisduett?
Noch jedesmal nach Abschluss einer Opernproduktion haben Pierre Boulez und Patrice Chéreau erklärt, ihre Zusammenarbeit sei hiermit definitiv beendet. Andererseits braucht man aber auch keine fünf Finger, um die gemeinsamen Arbeiten der beiden aufzuzählen. Es begann vor einunddreißig Jahren mit dem spektakulären «Ring des Nibelungen» in Bayreuth, dann holte Rolf Liebermann 1979 das Erfolgsduo nach Paris für Alban Bergs «Lulu», und zwar mit dem von Friedrich Cerha vervollständigten dritten Akt. Und jetzt, im Frühjahr 2007, war es Luc Bondy gelungen, die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
«Nur wer komponiert, erfindet Neues»
Wo er ist, ist Streit. Meinungsstreit. Wo Calixto Bieito arbeitet, prallen die Ansichten aufeinander. Erregt. Eifernd. Gereizt. Häufig wütend. Keiner in jüngerer Zeit, der Publikum wie Kritik so spaltet wie er. Die einen stilisieren ihn zum Messias der Musiktheater-Vergegenwärtigung. Für die anderen ist er die Inkarnation des roten Tuchs.
Daheim in Spanien steht...
Medienerfolg als Krisensyndrom. Selten brachte es ein Opernhaus so rasch zu Schlagzeilenruhm in internationalen Zeitungen wie die Deutsche Oper mit dem sogenannten «Idomeneo-Streit». Doch damit nicht genug. Kurz darauf lief der «Jägerchor» in der Premiere des «Freischütz» seinem (Chef-) Dirigenten Renato Palumbo gnadenlos davon. Das verwackelte Ergebnis kursierte...
Ein Essay über «Mendelssohn und die Oper» könnte knapp ausfallen, ja wäre letztlich uninteressant, hielte man sich – wie dies im Falle der Instrumentalkompositionen, Oratorien oder Lieder selbstverständlich ist – an das Faktische: an Opern, die vollendet und von Mendelssohn der Nagelprobe des öffentlichen Urteils ausgesetzt worden sind. Man hätte es mit lediglich...
