Der Anfang ist gemacht
Normalerweise sind Gesangwettbewerbe eine Sache für Frack und Abendkleid. Die Teilnehmer präsentieren sich mit einem mal mehr, mal weniger vorgegebenen Arien-Reigen, wobei natürlich laut Statuten immer die «ganze» Persönlichkeit bewertet wird. Im süd-ungarischen Szeged fand jetzt erstmals ein Wettbewerb statt, der darüber hinaus will. Neunzehn Finalisten waren dort in fünf Opernproduktionen zu erleben, meist in Hauptrollen und keineswegs im Standardrepertoire. Das ist, zunächst einmal, ein Meisterwerk der Logistik.
Hauptverantwortlich dafür ist Agnes Havas, die mit ihrer kleinen Gesellschaft Armel Productions dort Initiative ergreifen will, wo die Oper in Ungarn meist noch immer schläft: Abseits der üblichen Ausstattungsschinken will sie die Gattung als zeitnahe, impulsgebende, gesellschaftsbezogene Kraft erfahrbar machen. Ein erster Versuch war «Le Balcon» von Peter Eötvös gewidmet. Für den Wettbewerb hat Havas viele Verbündete gefunden. Nur acht Prozent der Kosten kommen vom Staat, die Liste der Sponsoren ist lang. Szeged stellt kein Geld zur Verfügung, aber sein Nationaltheater: ein schmuckes, unlängst renoviertes Helmer&Fellner-Schlösschen aus dem Jahr 1883. Wichtigste ...
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