Der alte Mann und das Meer
Am wirkungsvollsten kommt der Chor zum Einsatz. Am Anfang ist die Menschenmenge das Meer selbst, ein schemenhaftes, ruhiges, aber unerbittliches Meer. Es schwappt im Halb-, im Dreivierteldunkel näher an den Bühnenrand, schwappt wieder zurück und speit schließlich Peter Grimes aus, der doch einer von ihnen ist, ein Mensch wie die anderen auch, der in der Inszenierung von Kay Link sogleich zum Ausgestoßenen wird.
Das ist so imposant, dass es nachher verblüfft, wie diese Inszenierung ausgerechnet über ein Zuviel an Meer stolpern wird, sich selbst klein machen wird, weil sie ihrer ersten Idee nicht traut: Dass man das Meer nicht eigens sehen muss, dass es ohnehin da ist, in allen, in allem – ein innerer Zustand des Kollektivs. Man kann dazu gehören, man kann davon mitgerissen werden, man kann darin untergehen, man kann wie eine Flaschenpost mit einer Welle an Land geworfen werden. Da steht er nun, Peter Grimes, in Leipzig der eindrucksvolle Darsteller und farbenreiche Tenor Brenden Gunnell – dass er, durchaus zum Heldischen befähigt, an seine Grenzen kommt, belegt, was für eine große Partie Britten da geschrieben hat.
«Peter Grimes» war noch nie an der Oper Leipzig zu sehen. Ein ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Judith von Sternburg
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Sechzehn Heilige, eine einzige Hure: Schon allein zahlenmäßig geht die Partie zwischen Wiener Staatsoper und MusikTheater an der Wien (in Kooperation mit den Wiener Festwochen) eindeutig zugunsten der standhaften christlichen Märtyrerinnen im Haus am Ring aus. Aber verzichten wir auf den alten, aus Misogynie konstruierten Gegensatz und bleiben bei den Fakten: Die...
