Der alte Mann und das Meer
Am wirkungsvollsten kommt der Chor zum Einsatz. Am Anfang ist die Menschenmenge das Meer selbst, ein schemenhaftes, ruhiges, aber unerbittliches Meer. Es schwappt im Halb-, im Dreivierteldunkel näher an den Bühnenrand, schwappt wieder zurück und speit schließlich Peter Grimes aus, der doch einer von ihnen ist, ein Mensch wie die anderen auch, der in der Inszenierung von Kay Link sogleich zum Ausgestoßenen wird.
Das ist so imposant, dass es nachher verblüfft, wie diese Inszenierung ausgerechnet über ein Zuviel an Meer stolpern wird, sich selbst klein machen wird, weil sie ihrer ersten Idee nicht traut: Dass man das Meer nicht eigens sehen muss, dass es ohnehin da ist, in allen, in allem – ein innerer Zustand des Kollektivs. Man kann dazu gehören, man kann davon mitgerissen werden, man kann darin untergehen, man kann wie eine Flaschenpost mit einer Welle an Land geworfen werden. Da steht er nun, Peter Grimes, in Leipzig der eindrucksvolle Darsteller und farbenreiche Tenor Brenden Gunnell – dass er, durchaus zum Heldischen befähigt, an seine Grenzen kommt, belegt, was für eine große Partie Britten da geschrieben hat.
«Peter Grimes» war noch nie an der Oper Leipzig zu sehen. Ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Judith von Sternburg
Entgegen der Erwartung lässt Regisseur Julien Chavaz Alices Reise durch das Wunderland (hier könnte das Stück auch «Alices Reise durch die bunt-psychedelische Wunderwelt» heißen) im Orchestergraben neben Dirigent Jérôme Kuhn beginnen. In einem rasanten Tempo – Komponist Gerald Barry verbindet in nur knapp 60 Minuten die Schlüsselmomente beider «Alice»-Bücher...
Ein Ast wird abgesägt, fällt raschelnd vor dem Vorhang nieder, noch bevor die Pauken und Fagotte der Dortmunder Philharmoniker in Mimes Höhle entführen. So war es bereits im vergangenen Jahr bei der «Walküre» an der Oper Dortmund, so könnte es werden im kommenden Jahr beim «Rheingold». Die Weltesche ist immer schon angetastet, das Verhältnis des Menschen zur Natur...
Unter ihrem neuen Künstlerischen Leiter Yuval Sharon hat die Detroit Opera nicht nur ihre künstlerischen Ambitionen hochgeschraubt, sondern auch den Horizont in Sachen Inklusivität erweitert: Die Inszenierung von Osvaldo Golijovs «Ainadamar» («Der Brunnen der Tränen») war die erste spanischsprachige Produktion des Hauses – und das vor einem auffällig diversen...
