Mein Herz so weiß
Am Anfang sind da nur Blicke. Spinnenfeindliche, von gegenseitigem Hass durchtränkte Blicke. Hier die Königin von England, im jungfräulich weißen Ornat; dort die Königin von Schottland, ganz in Witwenschwarz gewandet (die wallenden, rauschenden, den Boden geräuschvoll fegenden Kostüme schuf Klaus Bruns). Um sie herum Stille und Leere: vielsagend. Denn zwischen diesen beiden Frauen wird es, das scheint bereits vor dem Paukenwirbel kein Geheimnis mehr, eine noble Verständigung, ein gegenseitiges Verzeihen kaum je geben.
Zu unüberbrückbar sind die Differenzen, zu tief die Abgründe zwischen der kühl-rationalen Protestantin und der sinnlich-passionierten Katholikin. Ihre Beziehung, was ist sie anderes als die pure Negation der Negation ...
Im Verlauf des Amsterdamer Abends werden sie sich noch häufiger begegnen, diese so unterschiedlichen Naturen. Doch Jetske Mijnssen lässt an der Nationale Opera keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Schicksalswege von Elisabeth und Maria Stuart verhängnisvoll aneinandergekettet sind. Gegensätze ziehen sich eben auch magnetisch an. Und genau darin liegt nicht nur der Reiz dieser konzentrierten, ungemein präzise gearbeiteten Inszenierung. Darin liegt ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Jürgen Otten
Gleich zu Beginn seines philologisch ausgefeilten Begleittextes zur Aufnahme mit Mahlers «Lied von der Erde» stellt Peter Gülke eines unwiderruflich in den Raum: Die vorliegende Version für Klavier stelle «keine Vorstufe zur Orchesterfassung» dar, sie stehe «gleichberechtigt neben ihr». Damit nimmt der renommierte Musikwissenschaftler (und Dirigent) a priori all...
Ein Ast wird abgesägt, fällt raschelnd vor dem Vorhang nieder, noch bevor die Pauken und Fagotte der Dortmunder Philharmoniker in Mimes Höhle entführen. So war es bereits im vergangenen Jahr bei der «Walküre» an der Oper Dortmund, so könnte es werden im kommenden Jahr beim «Rheingold». Die Weltesche ist immer schon angetastet, das Verhältnis des Menschen zur Natur...
Welch süße Freude, Göttin / entzündest du in unserer Brust. / Konnte der gütige Himmel mehr für uns tun? / Welch süße Freude, Göttin!» Einander nachsingend, dann gleichzeitig ihre Stimmen ineinanderschlingend danken die jungen Liebenden Hyllo und Iole am Schluss von Antonia Bembos «L’Ercole Amante» der Göttin Giunone für das gute Ende einer ungut begonnenen...
