Editorial 7/23
Li galli hat er im Rücken, den lieben langen Tag. Sieht er schon gar nicht mehr, die Schönheit, die hingegossen wie eine Nixe mit Najaden-Gefolge im Mittelmeer lagert, nordwestlich von Positano. Ob er weiß, dass der kleine Archipel ein historischer Ort ist? Der Eisverkäufer, dessen Bude sich in eine Straßenbucht über der steil abfallenden Küste schmiegt, rollt mit den Augen. «Sì sì, lo so», sagt er, «per la danza». Klar, jeden Tag kommen hier Ballettfans vorbei, um einen Blick auf die Hauptinsel von Li Galli zu werfen.
Mit bloßem Auge lässt sich die Villa ausmachen, deren Umbau Le Corbusier organisierte – für Leónide Massine, der die drei Eilande 1924 erworben hatte. 1989 bezog Rudolf Nurejew auf Gallo Lungo Quartier und installierte ein Studio im mittelalterlichen Turm. Vier Jahre später starb der Star, und das Inseltrio verwaiste.
Bis ein findiger Geschäftsmann 2011 zum Kauf schritt und den magischen Ort in eine Hochzeits- und Partydestination verwandelte: gegen gutes Geld zu mieten, mit exklusivem Aufenthaltsrecht. Wer glaubt, auf den Spuren von Massine und Nurejew mal eben nach Li Galli übersetzen zu können, wird enttäuscht. Das Privileg gehört den Superreichen – und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juli 2023
Rubrik: warm up, Seite 1
von Dorion Weickmann
Ein kongolesischer Choreograf und eine Schweizer Krumperin mit kongolesischen Wurzeln lernen sich in Lausanne kennen und gehen gemeinsam auf Erkundungsreise in der Region Kasai, im Westen der Demokratischen Republik Kongo (RDC). Indem sie ihre vagen und komplementären Kenntnisse der Region zusammenschließen und gemeinsam einsetzen, entdecken sie nicht nur, was sie...
«Ich bin immer einer für den Saal gewesen.» Das sagt Martin Schläpfer an diesem sonnigen Frühlingstag in der kleinen Küche des Ballettbüros an der Wiener Staatsoper. Und Heinz Spoerli nickt. Er nickt, weil er den Direktor des Wiener Staatsballetts genau kennt, seit er ihn vor 45 Jahren als jungen Tänzer in sein Basler Ballett holte. Und er nickt, weil er die Arbeit...
Johannes Wieland, was machen Sie gerade?
Eigentlich mache ich genau das gleiche, was ich die letzten 40 Jahre gemacht habe – ich mache Stücke, jetzt freiberuflich, und ich kuratiere das Tanzfestival «b12» in Berlin. Bevor ich 2006 Tanzdirektor am Staatstheater Kassel wurde, habe ich ja auch freiberuflich gearbeitet, und auch in Kassel hatte ich mir vertraglich...
