Denkmalpflege

Nono: Intolleranza 1960
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Die Parolen eines sich weltgeistig-revolutionär gerierenden Polit-Messianismus haben ihre Strahlkraft schon lange verloren. So dicht liegt die Patina der aus katastrophischer Erfahrung erwachsenen Desillusionierung auf den einst mit großen Hoffnungen geladenen Losungen, dass ihre Wirksamkeit heute gegen null tendiert. Und so tief in die Schutthalden der Geschichte eingesunken sind die pathetischen Slogans des sozialistischen Befreiungskampfs, dass sie uns wie Museumsstücke aus einer fernen Vergangenheit vorkommen.

Luigi Nono, 1924 geboren und 1990 gestorben, war ein Kind des durch tödlich totalitäre Herrschaft erschütterten 20. Jahrhunderts. Seine Musik ist durchdrungen vom Denken eines mit den Opfern fühlenden, zweifelnden Künstlers, der allen Schrecken zum Trotz an die intuitive Vernunft der Vielen glaubte. Die Suche nach unerhörten Klängen war für ihn nicht nur ästhetisches Prinzip, sondern politische Praxis. Komponieren bedeutete: sich erinnernd, mahnend, fordernd einzumischen, mit neuen Tönen dafür zu streiten, dass der «Mensch dem Menschen ein Helfer» werde.

Brechts lyrischer Appell «An die Nachgeborenen», kurz nach dem Aufstieg des NS-Staates im schwedischen Exil ...

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Opernwelt November 2021
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Albrecht Thiemann

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