Denkmalpflege
Die Parolen eines sich weltgeistig-revolutionär gerierenden Polit-Messianismus haben ihre Strahlkraft schon lange verloren. So dicht liegt die Patina der aus katastrophischer Erfahrung erwachsenen Desillusionierung auf den einst mit großen Hoffnungen geladenen Losungen, dass ihre Wirksamkeit heute gegen null tendiert. Und so tief in die Schutthalden der Geschichte eingesunken sind die pathetischen Slogans des sozialistischen Befreiungskampfs, dass sie uns wie Museumsstücke aus einer fernen Vergangenheit vorkommen.
Luigi Nono, 1924 geboren und 1990 gestorben, war ein Kind des durch tödlich totalitäre Herrschaft erschütterten 20. Jahrhunderts. Seine Musik ist durchdrungen vom Denken eines mit den Opfern fühlenden, zweifelnden Künstlers, der allen Schrecken zum Trotz an die intuitive Vernunft der Vielen glaubte. Die Suche nach unerhörten Klängen war für ihn nicht nur ästhetisches Prinzip, sondern politische Praxis. Komponieren bedeutete: sich erinnernd, mahnend, fordernd einzumischen, mit neuen Tönen dafür zu streiten, dass der «Mensch dem Menschen ein Helfer» werde.
Brechts lyrischer Appell «An die Nachgeborenen», kurz nach dem Aufstieg des NS-Staates im schwedischen Exil ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Albrecht Thiemann
JUBILARE
Graham Clark war zunächst Sportler und Lehrer, ehe er seine Gesangskarriere begann. Mit 34 wurde der in Lancashire geborene Tenor von Richard Bonynge für eine Charity-Gala ausgewählt, bei der auch Joan Sutherland mitwirkte. Die im Fernsehen ausgestrahlte Show («Darwin – Song for a City», 1975) war sein Sprungbrett auf die Bühnen der Welt, wo er immer...
Der Anfang ist witzig. Aus einem Bühnenloch klettern Fatty und Dreieinigkeitsmoses heraus auf die schwarz glänzende, leere Fläche, doch nicht als gewöhnliche Ganoven. Jens Larsen trägt den Talar eines salbadernden protestantischen Pfarrers, Ivan Turšić gibt, sehr pointiert, einen jüdischen Rabbi. In den Händen halten sie ihre Gebetsbücher, aber nicht allzu fest....
Wajdi Mouawad zählt zu jenen überschätzten Regisseuren, die in Frankreich eine ansehnliche Karriere machen. Seit 2016 leitet der 52-jährige, libanesisch-kanadische Doppelbürger das Pariser Théâtre de la Colline, eines der sechs Nationaltheater im Lande, dem mit Alain Françon und Stéphane Braunschweig schon ganz andere Kaliber vorgestanden haben. Als Dramatiker...
