Denkmalpflege
Die Parolen eines sich weltgeistig-revolutionär gerierenden Polit-Messianismus haben ihre Strahlkraft schon lange verloren. So dicht liegt die Patina der aus katastrophischer Erfahrung erwachsenen Desillusionierung auf den einst mit großen Hoffnungen geladenen Losungen, dass ihre Wirksamkeit heute gegen null tendiert. Und so tief in die Schutthalden der Geschichte eingesunken sind die pathetischen Slogans des sozialistischen Befreiungskampfs, dass sie uns wie Museumsstücke aus einer fernen Vergangenheit vorkommen.
Luigi Nono, 1924 geboren und 1990 gestorben, war ein Kind des durch tödlich totalitäre Herrschaft erschütterten 20. Jahrhunderts. Seine Musik ist durchdrungen vom Denken eines mit den Opfern fühlenden, zweifelnden Künstlers, der allen Schrecken zum Trotz an die intuitive Vernunft der Vielen glaubte. Die Suche nach unerhörten Klängen war für ihn nicht nur ästhetisches Prinzip, sondern politische Praxis. Komponieren bedeutete: sich erinnernd, mahnend, fordernd einzumischen, mit neuen Tönen dafür zu streiten, dass der «Mensch dem Menschen ein Helfer» werde.
Brechts lyrischer Appell «An die Nachgeborenen», kurz nach dem Aufstieg des NS-Staates im schwedischen Exil ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Albrecht Thiemann
Der Weg in den Himmel ist steinig. Die Freuden des ewigen Lebens werden einem nicht geschenkt. Die Zeit ist knapp, um ausreichend Gutes zu tun. Weshalb sie einen gleich anmahnt, sie zu nutzen. Zudem ist der Aufstieg ins Licht gepflastert mit Versuchungen irdischen Vergnügens, Verlockungen von Macht, Reichtum und mondänem Glanz. Gäbe es da nicht den «Schutzengel»,...
Die große Griechenoper zur Befreiung der Hellenen von ottomanischer Herrschaft muss noch geschrieben werden. Aber vielleicht wäre ein solches Vorhaben ohnehin keine gute Idee: Die hierbei allfällige Schwarzweiß-Zeichnung böser Türken und guter Griechen als bluttriefendes Schlachtengemälde würde, zumindest in Europa, im Zeichen der in diesem Jahr Geburtstag...
Die Eröffnung eines Festivals setzt vor allem Zeichen für die Zukunft. Und da zählen auch die kleinen Gesten. Sie erzählen von Visionen, deuten dramaturgische Linien an. Dies gilt insbesondere immer dann, wenn, wie im selbst Mitte September noch sommerlichen Venedig, ein Leitungswechsel vollzogen wird. Lucia Ronchetti heißt die neue Chefin der Biennale Musica. Und...
