Ultimativ machtlos
16 Metallbetten rahmen die Spielfläche, und 16 Küchentische. An langen Seilen pendeln 16 tuchverhangene Wiegen träge aus dem Schnürboden. 16 Uniformen warten auf ihre Träger, die sich wenig später aus den Federn schälen. Und 16 Frauen schälen Kartoffeln. In ihrer Mitte thront die alte Burya in strengschwarzem Pomp, mit einer Reitgerte fuchtelnd. Die Szene erinnert an eine Strafkolonie: Einen Horizont gibt es nicht, keinen Ausblick, keinen Ausweg.
Regisseur Claus Guth liest am Londoner Royal Opera House das eindringliche Ticken des Xylophons im ersten Akt von Janáčeks «Jenůfa» als Klang einer gut geölten Gesellschaftsmaschine, in der kein Rädchen aus der Reihe tanzen darf. Mit Bühnenbildner Michael Levine und Ausstatterin Gesine Völlm betont er die restriktiven Normen der Dorfgemeinschaft.
Ausgangspunkt der Inszenierung ist die Perspektive der Küsterin. Wenn diese an ihre eigene Ehe zurückdenkt, tritt ihr Gatte auf, als blutjunge Erscheinung aus der Vergangenheit, die Bierflasche in der einen Hand, die andere zum Schlag erhoben. Das, denkt sich die Kostelnička, stünde mit Števa auch Jenůfa bevor – und Guth lässt das junge Paar die Fantasie auf der Bühne ausagieren. In den Augen der ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Wiebke Roloff Halsey
Die eine weltberühmt, die andere fast vergessen – dennoch schienen beide Italienerinnen, die am Pfalztheater Kaiserslautern und an der Oper Frankfurt die neue Spielzeit eröffneten, unverkennbar auf einer Wellenlänge zu schwingen: Rossinis erfolgsverwöhnte «L’Italiana in Algeri» und Cimarosas 35 Jahre ältere «L’ Italiana in Londra», die nach der Römer Uraufführung...
«Passion» hat Véronique Gens ihr neues Album genannt, mit dem die französische Sopranistin zu ihren künstlerischen Wurzeln zurückkehrt. Gemeinsam mit Louis-Noël Bestion de Camboulas, dem Leiter des sie begleitenden Ensemble Les Surprises, hatte sie den zündenden Einfall, die für die französische Barockoper so typischen kurzen Airs und deklamatorischen Rezitative...
Künstlerisch zunehmend erfolglos, aber trotzdem nach wie vor ein gefragter «Markenartikel», nahm der alternde Ruggero Leoncavallo das Angebot der Londoner Music Hall «Hippodrome» gerne an, dort eine halbstündige Kurzfassung seiner «Pagliacci» herauszubringen. Der Erfolg war überwältigend. Zweimal täglich wurde diese Version unter seiner Stabführung gespielt, aus...
