Denk ich an Oper...
Ja, manchmal bringt es mich schon um den Schlaf, wenn ich nachts über die Situation der Kunstform Oper nachdenke. Hat die Pandemie problematische Entwicklungen noch zugespitzt? Was hat die Saison 2020/21 gebracht? In Erinnerung bleibt das wilde Glücksgefühl, als nach erstem Lockdown der Vorhang tatsächlich hochging und Musiktheater wieder live zu erleben war. Schlagartig wurde bewusst, wie sehr solche Momente gefehlt hatten.
Überwältigende Rührung packte mich, als Alessandro De Marchi bei den «Innsbrucker Festwochen Alter Musik» den Einsatz zur Ouvertüre von Ferdinando Paërs «Leonora» gab. Prompt erwies sich die hier erstmals präsentierte Urfassung als der bessere «Fidelio» – ein spezieller Beitrag zum Beethoven-Jahr.
Die Bregenzer Festspiele fanden ohne Seebühnenspektakel statt, hoben aber immerhin eine zeitgenössische Buffa aus der Taufe. Mit «Impresario Dotcom» gelang der slowakischen Komponistin Ľubica Čekovská das Kunststück, eine alte Goldoni-Vorlage musikalisch überzeugend zu aktualisieren – für mich die Uraufführung der Saison. Zur Nachwuchstruppe des Jahres küre ich das Ensemble «Barockoper:jung», das in Innsbruck die erste Don-Juan-Oper «L’empio punito» von Alessandro ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 103
von Werner Grimmel («FAZ», «Schwäbische Zeitung», Lindau)
Die Sängerinnen und Sänger des Staatstheaters Karlsruhe verbeugen sich beseelt lächelnd nach der im Mai live gestreamten Premiere von Giacomo Puccinis «Gianni Schicchi» in Richtung Kameras. Ansonsten bleibt es still. Das Publikum ist abwesend. Wenn die Oper keine einseitig kommunizierende Röhre ist, dann war die zu Ende gegangene Spielzeit eine katastrophale, die...
Ein guter Regisseur zeichnet sich, wie ebenfalls ein guter Dramatiker, dadurch aus, dass er die Wirklichkeit vermittels einer Fabel zu überhöhen weiß. Einem großen Regisseur gelingt es zudem, die Protagonisten dieser Fabel zu radikal authentischen (und autonomen) Bühnengestalten zu formen. Lorenzo Fioroni kann das, das zeigte sowohl seine Inszenierung von Dusapins ...
Das öffentliche Interesse war enorm, als Markus Gabriel, damals der neue Star am deutschen Philosophenhimmel, 2013 ein Buch mit dem Titel «Warum es die Welt nicht gibt» schrieb. Allein die Vorstellung, diese Welt, wie wir sie kennen, existiere nicht, sorgte für erheblichen Diskussionsstoff. Dass Gabriels Theorem, das natürlich ein trickreiches war, weil es nur...
