And the Band Played On

Die Corona-Pandemie hält die Welt im Würgegriff. Die ganze Welt? Mitnichten. Reiche Länder impfen sich in eine «Neue Normalität», öffnen ihre Theater. Und schließen bald wieder, es ist ja Sommerpause. Wer könnte schon erwarten, dass man aus der schlimmstmöglichen Marginalisierung von Bühnenkunst in Friedenszeiten etwas gelernt hätte? Die ausstolpernde Notsaison 2020/21 ist weithin geprägt von mangelnder Flexibilität, Ideenlosigkeit und Beharren in Produktionsabläufen.

Tief sitzt die Kränkung: Die Oper mag systembedingt das personal- und kostenintensivste Flaggschiff des Bühnenwesens sein – systemrelevant ist sie offenbar nicht. Sich trotz Lockdowns bemerkbar zu machen, wurde zur Aufgabe der Saison. Und sei es mit Wunschkonzerten am Telefon, im Internet, wann immer möglich unter freiem Himmel – oder mit ganz anderen mutigen Initiativen zur Öffentlichkeitsarbeit.

Nur wenige Theater haben sich diesen Herausforderungen erfolgreich gestellt. Leitungspersönlichkeiten gaben den Weg vor, nicht immer den richtigen: Wo im Frühjahr 2020 noch bis zur letztmöglichen Minute geprobt wurde, über Ängste von Mitarbeitenden hinweg, ist lange über das Abgeben beleidigter Statements hinaus wenig ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 92
von Claus Ambrosius («Rhein-Zeitung», Koblenz)

Weitere Beiträge
Verpasste Chancen

Laut Michael Spitzer, Autor des vielbeachteten Buches «The Musical Human», das im vergangenen April erschienen ist, geht die Geburt des Rhythmus 165 Millionen Jahre zurück; vor 66 Millionen Jahren erschien die erste Melodie, und 40.000 Jahre sind vergangen, seit der Homo sapiens das erste Musikinstrument gebaut hat. Es ist also nicht verwunderlich, wenn uns ein...

Wichtige Streams der Saison

Dass der Autor Clemens Meyer ein schrill-schräger und ziemlich schlauer Typ ist, weiß jeder, der seine Romane gelesen hat. So auch Meyers Nachtstück Im Stein, welches in grellen Bildern die Suche einer durch den Mauerfall schwer irritierten Generation nach ihrer Identität und nach dem Sinn des Lebens schildert. An den Bühnen Halle sollte eigentlich in dieser...

Berühmte Briefe in der Oper

Wien, im Jahre 1936. An seinem 50. Geburtstag erhält Sektionschef Leonidas einen Brief. Geschrieben hat ihn Vera Wormser, seine ehemalige Geliebte, die ihn darin um Hilfe bittet. Vera ist Jüdin, ihr Sohn in Gefahr, Leonidas einflussreich genug, damit Schlimmeres verhindert werden kann. Franz Werfels 1941 publizierte Erzählung «Eine blassblaue Frauenschrift» ist...