And the Band Played On
Die Corona-Pandemie hält die Welt im Würgegriff. Die ganze Welt? Mitnichten. Reiche Länder impfen sich in eine «Neue Normalität», öffnen ihre Theater. Und schließen bald wieder, es ist ja Sommerpause. Wer könnte schon erwarten, dass man aus der schlimmstmöglichen Marginalisierung von Bühnenkunst in Friedenszeiten etwas gelernt hätte? Die ausstolpernde Notsaison 2020/21 ist weithin geprägt von mangelnder Flexibilität, Ideenlosigkeit und Beharren in Produktionsabläufen.
Tief sitzt die Kränkung: Die Oper mag systembedingt das personal- und kostenintensivste Flaggschiff des Bühnenwesens sein – systemrelevant ist sie offenbar nicht. Sich trotz Lockdowns bemerkbar zu machen, wurde zur Aufgabe der Saison. Und sei es mit Wunschkonzerten am Telefon, im Internet, wann immer möglich unter freiem Himmel – oder mit ganz anderen mutigen Initiativen zur Öffentlichkeitsarbeit.
Nur wenige Theater haben sich diesen Herausforderungen erfolgreich gestellt. Leitungspersönlichkeiten gaben den Weg vor, nicht immer den richtigen: Wo im Frühjahr 2020 noch bis zur letztmöglichen Minute geprobt wurde, über Ängste von Mitarbeitenden hinweg, ist lange über das Abgeben beleidigter Statements hinaus wenig ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 92
von Claus Ambrosius («Rhein-Zeitung», Koblenz)
Weder das Stück noch sein Schöpfer sind allzu bekannt. Allein deswegen war es eine Großtat des Pariser Théâtre du Châtelet, die Operette Vlan dans loeil von Hervé (der mit bürgerlichem Namen Louis Auguste Florimond Ronger hieß) in einer kecken, fulminant komischen Inszenierung in Paris zu präsentieren. «Pierre-André Weitz’ Regie addiert in eigener Ausstattung...
Es ist eine der ältesten Opernfragen: «prima la parole?» Oder doch «prima la musica?» Die musikhistorische Wertung scheint da eine einfache Antwort zu kennen: Der Text einer Oper ist immer getreuer Diener von Frau Musica. Doch schon die inhaltlichen Handlungsvorgaben eines Musiktheaters rühren eben nicht so einfach aus dem Klingenden selbst, es bedarf hier schon...
Das Erschreckende in der vergangenen Spielzeit war für mich die Irrelevanz quasi des gesamten Kulturbetriebs. Systemrelevanz? Fehlanzeige! Das sah beziehungsweise sieht man auch jetzt noch, selbst bei begrenzter Platzauslastung bleiben erhebliche Teile des früheren Publikums weg.
Ein weiterer Schock: wie ungelenk manche Häuser und Institutionen mit der Krise...
