And the Band Played On
Die Corona-Pandemie hält die Welt im Würgegriff. Die ganze Welt? Mitnichten. Reiche Länder impfen sich in eine «Neue Normalität», öffnen ihre Theater. Und schließen bald wieder, es ist ja Sommerpause. Wer könnte schon erwarten, dass man aus der schlimmstmöglichen Marginalisierung von Bühnenkunst in Friedenszeiten etwas gelernt hätte? Die ausstolpernde Notsaison 2020/21 ist weithin geprägt von mangelnder Flexibilität, Ideenlosigkeit und Beharren in Produktionsabläufen.
Tief sitzt die Kränkung: Die Oper mag systembedingt das personal- und kostenintensivste Flaggschiff des Bühnenwesens sein – systemrelevant ist sie offenbar nicht. Sich trotz Lockdowns bemerkbar zu machen, wurde zur Aufgabe der Saison. Und sei es mit Wunschkonzerten am Telefon, im Internet, wann immer möglich unter freiem Himmel – oder mit ganz anderen mutigen Initiativen zur Öffentlichkeitsarbeit.
Nur wenige Theater haben sich diesen Herausforderungen erfolgreich gestellt. Leitungspersönlichkeiten gaben den Weg vor, nicht immer den richtigen: Wo im Frühjahr 2020 noch bis zur letztmöglichen Minute geprobt wurde, über Ängste von Mitarbeitenden hinweg, ist lange über das Abgeben beleidigter Statements hinaus wenig ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 92
von Claus Ambrosius («Rhein-Zeitung», Koblenz)
Beginnen wir mit einem Zitat von Carolin Emcke, aus deren Pandemie-Tagebuch: «Wenn wir jetzt nicht nachweisen, was wir können, wenn wir jetzt nicht begründen, warum es uns, die wir Geschichten erzählen, fiktive oder nicht-fiktive, die wir die Wirklichkeit verwandeln oder beschreiben, die wir Trost spenden oder Wissen vermitteln, die wir Wörter oder Konzepte wiegen...
Das öffentliche Interesse war enorm, als Markus Gabriel, damals der neue Star am deutschen Philosophenhimmel, 2013 ein Buch mit dem Titel «Warum es die Welt nicht gibt» schrieb. Allein die Vorstellung, diese Welt, wie wir sie kennen, existiere nicht, sorgte für erheblichen Diskussionsstoff. Dass Gabriels Theorem, das natürlich ein trickreiches war, weil es nur...
«Damit ein Ereignis Größe habe», schrieb Friedrich Nietzsche über Richard Wagner in Bayreuth, «muss zweierlei zusammenkommen: der große Sinn derer, die es vollbringen, und der große Sinn derer, die es erleben.» Das Verblüffende an diesem Satz ist, dass er sich nicht nur auf die ersten Festspiele 1876 beziehen lässt. Sondern auch – und zwar ausgerechnet im...
