Den Abgrund vor Augen
Die Liebe? Sie steckt in einem Blick. Orpheus und Eurydike halten einander mit den Augen fest, während andere Wesen sie umkreisen, umtanzen. Schauen einander an, während sie immer näher zusammenrücken.
Verlust? Da ist das unsichtbare Band aus Schmerz, das gespannt wird, wenn sie am Boden verharren muss und er nach oben entschwindet. In einem Akrobatengeschirr hoch über die Bühne gezogen wird, dabei langsam kippend, den Arm ausgestreckt, nach unten greifend, ohne jede Hoffnung, sie je wieder zu berühren.
Michael Boyds Inszenierung von Monteverdis favola in musica war die erste Kollaboration des Royal Opera House mit dem Roundhouse, einer ehemaligen Lokhalle im Londoner Norden, die heute für experimentelles Theater, zeitgenössische Musik und Rock-Konzerte genutzt wird. Und es war die zweite Zusammenarbeit mit dem Orchester der Early Opera Company. 2014 hübschte Kaspar Holten Cavallis «L’Ormindo» im Sam Wanamaker Playhouse auf und versah das Stück mit einer Prise Punk (man denke sich Venedig, gezeichnet von Vivienne Westwood). Boyd – man kennt ihn von seinen Arbeiten für die Royal Shakespeare Company – bezog Monteverdis «Orfeo» auf die religiösen Dispute innerhalb der Römischen Kirche ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Anna Picard
Gewünscht hat sich Richard Strauss für die Uraufführung seiner «Vier letzten Lieder» die Sopranistin Kirsten Flagstad. Er wird an deren Glanzzeit gedacht haben. Als die Lieder in London uraufgeführt wurden, war Strauss tot und die Flagstad längst über ihrem Zenit. In Berlin musste sie, wenig später, sogar das erste, höchste weglassen. Plattenaufnahmen von Elisabeth...
In amerikanischen Opernhäusern geht es richtig streng zu. Man darf keine Kraftausdrücke benutzen, duldet kein sogenanntes «unangebrachtes Verhalten am Arbeitsplatz», sogar ob man Parfüm trägt, kann man nicht selbst entscheiden. Fluchen, Knutschen, Sprühen? Pustekuchen. Die ersten beiden Punkte regeln sich ganz von selbst, dafür sorgt schon die allgemeine Prüderie....
Tiefer in die Archivkiste kann man kaum greifen: Innerhalb von fünf Wochen bringt die Komische Oper Emmerich Kálmáns allerletzte, 1954 posthum in Basel uraufgeführte Operette «Arizona Lady» heraus und gleich danach «Eine Frau, die weiß was sie will!», komponiert 1932 von Oscar Straus für Fritzi Massary. Beide Stücke sind wahrlich keine Meisterwerke – und doch...
