Den Abgrund vor Augen

Kontrastprogramm des Royal Opera House in London: Jonas Kaufmann debütiert als Giordanos «Andrea Chénier» an Covent Garden, doch unter die Haut geht Monteverdis «Orfeo» in einer ehemaligen Lokhalle

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Die Liebe? Sie steckt in einem Blick. Orpheus und Eurydike halten einander mit den Augen fest, während andere Wesen sie umkreisen, umtanzen. Schauen einander an, während sie immer näher zusammenrücken.

Verlust? Da ist das unsichtbare Band aus Schmerz, das gespannt wird, wenn sie am Boden verharren muss und er nach oben entschwindet. In einem Akrobatengeschirr hoch über die Bühne gezogen wird, dabei langsam kippend, den Arm ausgestreckt, nach unten greifend, ohne jede Hoffnung, sie je wieder zu berühren.



Michael Boyds Inszenierung von Monteverdis favola in musica war die erste Kollaboration des Royal Opera House mit dem Roundhouse, einer ehemaligen Lokhalle im Londoner Norden, die heute für experimentelles Theater, zeitgenössische Musik und Rock-Konzerte genutzt wird. Und es war die zweite Zusammenarbeit mit dem Orchester der Early Opera Company. 2014 hübschte Kaspar Holten Cavallis «L’Ormindo» im Sam Wanamaker Playhouse auf und versah das Stück mit einer Prise Punk (man denke sich Venedig, gezeichnet von Vivienne Westwood). Boyd – man kennt ihn von seinen Arbeiten für die Royal Shakespeare Company – bezog Monteverdis «Orfeo» auf die religiösen Dispute innerhalb der Römischen Kirche ...

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Opernwelt März 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Anna Picard

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