Demokratie – wo ist denn die?
Russland ist derzeit ein besonders korruptes Land, dessen Regierung macht, was sie will. Steif und fest wird offiziell behauptet, die Demokratie floriere auf allen Ebenen. Natürlich spricht das der Realität Hohn. Dem Bolschoi Theater gab es jetzt Anlass zu einer scharfen Satire. Herausgefordert, wie zu Zeiten von Schostakwitschs «Lady Macbeth von Mzensk», fühlt sich durch die Oper freilich schon längst kein russischer Politiker mehr: Zur aktuellen Form der Demokratie gehört, dass man Kunst kaum mehr zur Kenntnis nimmt, geschweige denn ernst.
Der 42-jährige, vom Schauspiel kommende Regisseur Kirill Serebrennikow hat bereits «Falstaff» im Mariinsky-Theater (Dirigent: Valery Gergiev) und ein Projekt im Rahmen des Festivals «Territorium» erarbeitet (Dirigent: Teodor Currentzis). Beide Abende bezogen Stellung gegen die unerträgliche moralische Situation in Russland. Serebrennikow zeigt (auch in seinen Filmen und Sprechtheater-Produktionen) auf Wundmale der russischen Geschichte und Gegenwart: Altlasten der zaristischen Vergangenheit, Korruption, das Leben jenseits von Gesetzen, Käuflichkeit von allem und allen.
In seiner ersten Inszenierung im Bolschoi Theater arbeitete er mit Vassily ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 36
von Alexej Parin
Was für ein verrückter Festspielssommer. Übergänge prägen ihn – und Diffusitäten. Europas drei wichtigste Opernfestivals liegen diesbezüglich vorne. Anfang und Innovation sind überall gewollt. Doch die Selbstverortung ist schwieriger denn je. Können Festspiele überhaupt noch Perspektiven öffnen? Oft in diesem Sommer dachte man: Alles läuft. Aber nichts geht.
Stichwo...
Seit Peter Gelb vor fünf Jahren die Leitung der Metropolitan Opera übernommen hat, ist dort auf szenischem Gebiet eine vorsichtige Annäherung an die Standards des europäischen Musiktheaters zu konstatieren. «Vorsichtig» bedeutet: Die Inszenierungen begnügen sich nicht damit, den auftretenden Sänger-Stars einen dekorativen Rahmen zu bieten, wagen die Stücke...
In Bonn stehen Oper und Schauspiel unter scharfem Sparbeschuss des SPD-Oberbürgermeisters. Mit seiner Weigerung einer Vertragsverlängerung wirkt Generalintendant Klaus Weise jedenfalls nicht wie ein Schlafwandler, sondern wie ein klar denkender Prinzipal, der sein Haus lieber nach guter Arbeit mit erhobenem Haupt verlässt, statt später die Scherben zusammenkehren...
