Demokratie in Trümmern
Zu den erstaunlichen Aspekten dieses in vielfacher Hinsicht erstaunlichen Stücks gehört, dass es von einem jungen Mann geschrieben wurde. «Guercœur» mutet in vielem an wie ein opus summum. Albéric Magnard war aber Mitte Dreißig, als er daran arbeitete. Eine Tragédie en musique nennt er sein zwischen 1897 und 1900 entstandenes Werk, knüpft damit ans barocke Welttheater an, auch ans Mysterienspiel. Dass er Wagner schätzte und Bruckner oft nahekommt, ist unüberhörbar. Dennoch wäre es zu einseitig, ihn darauf zu reduzieren.
Eine Portion Klassizismus steckt in dieser Partitur. Aber auch der Humus, aus dem wenige Jahre später Debussys «Pelléas et Mélisande» oder Faurés «Pénélope» wuchsen, ist deutlich zu erkennen: prismatisch gebrochene Klangfarben des Orchesters, eine klangsatte, aber nur selten arios ausbrechende Verbindung von Gesang und Sprache, auskomponierte Rätselhaftigkeit, ein klingendes Stillstehen der Zeit, Geschehen als Gleichnis.
Der Titelheld ist bereits tot, als die Handlung einsetzt. Wir finden ihn im Jenseits, entkommen dem «Gefängnis aus Freude und Schmerz», aber auch leidend unter dem Verlust sozialer und emotionaler Nähe. Guercœur darf, wie gewünscht, auf die Erde ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Stephan Mösch
Der Züricher Musikwissenschaftler Laurenz Lütteken hat im vergangenen Jahrzehnt mehrere wichtige Monographien vorgelegt – zu Mozart, Richard Strauss, zur Musik der Renaissance und, unter dem Titel «Der verborgene Sinn», eine gleichermaßen originelle wie bedeutende Studie über «Verhüllung und Enthüllung in der Musik». Um das, was uns die Musik zu bedeuten hat und...
ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten P = Premiere UA = Uraufführung
DEUTSCHLAND
Aachen
Theater Aachen
www.theateraachen.de
- Offenbach, Orpheus in der Unterwelt: 2., 15., 23.
- Mozart, Die Zauberflöte: 9.
- Puccini, La Bohème: 29.
Altenburg/Gera
Theater Altenburg Gera
https://theater-altenburg-gera.de
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Man sieht es und staunt: Der männliche Titelheld ist verdoppelt, also stirbt er auch zweimal. Während Tristan eins, singender (Privat-?)Patient einer Luxusklinik, exakt an der vom Komponisten bezeichneten Stelle ins Jenseits wandert, beobachtet sein Schauspiel-Double vom Rollstuhl aus dessen Sterben wie ebenfalls Isoldes Liebestod. Erst dann gibt auch der...
