«Dem Scheitern abgerungen»
Der Künstler, schrieb Albert Camus 1942, sei der absurde Mensch par excellence. Obwohl er weiß, dass seine Schöpfungsakte die Unvernunft der Welt nicht ändern, dass seine Werke nur Bilder liefern können von einem Leben, das keinen festen Grund mehr kennt, macht er weiter. Er pfeift auf Gott, bietet dem flatterhaften, grausam kalten Schicksal lächelnd die Stirn, setzt den heillosen Zumutungen der irdischen Existenz ein energisches, haltloses «Trotzdem» entgegen.
«In dieser täglichen Anstrengung, in der sich Geist und Leidenschaft mischen und gegenseitig steigern, entdeckt der absurde Mensch eine Zucht, die das Wesentliche seiner Kräfte ausmacht», heißt es in Camus’ «Mythos von Sisyphos». Sein Antrieb ist der Wille zur Form – das Talent, qua Gestaltung der Sinnlosigkeit des Universums Sinn abzugewinnen. Den Urtyp des (vergeblich) schaffenden Menschen entdeckte Camus bekanntlich in jenem Begründer von Korinth, der es mit den Göttern aufnahm und zur Strafe auf ewig einen Felsblock bergan rollen muss.
Wenn man sich in das knapp vierhundert Seiten starke Lesebuch über Olga Neuwirth vertieft, das der Essener Musikwissenschaftler Stefan Drees zum vierzigsten Geburtstag der Komponistin ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Schutzlos ausgeliefert, fast nackt, dem Publikum indiskret nahe. Kein Kostüm, hinter dem man sich verstecken kann, kein Graben, der Distanz schafft, kein Orchester, das einen akustisch schützend umhüllt. Liedgesang, zumal im Saal, scheint keine Sache für Ängstliche. Manche Sänger freilich lieben gerade diese Nähe: «Was mich am Lied so fasziniert, ist die direkte...
In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als es um die Nachfolge einer Rita Streich und einer Erika Köth ging und Edita Gruberova noch nicht angetreten war, erglänzte ein neuer, heller Stern am Himmel der Koloratursoprane: Sylvia Geszty war die Königin der Nacht, war die Zerbinetta und wurde in diesen und anderen Partien auf den Bühnen Europas...
Kalt scheint der Mond, und eigentlich ist er nichts anderes als eine Projektionsfläche menschlicher Sehnsucht. Irgendwann wird darin das Gesicht einer sich schminkenden Salome sichtbar, und Salome ist es denn auch, die wenig später – spärlich bekleidet, in aufreizenden Stiefeletten – die schlichte Szene des Aachener Theaters betritt: eine Paris Hilton, die nicht...
