«Dem Scheitern abgerungen»
Der Künstler, schrieb Albert Camus 1942, sei der absurde Mensch par excellence. Obwohl er weiß, dass seine Schöpfungsakte die Unvernunft der Welt nicht ändern, dass seine Werke nur Bilder liefern können von einem Leben, das keinen festen Grund mehr kennt, macht er weiter. Er pfeift auf Gott, bietet dem flatterhaften, grausam kalten Schicksal lächelnd die Stirn, setzt den heillosen Zumutungen der irdischen Existenz ein energisches, haltloses «Trotzdem» entgegen.
«In dieser täglichen Anstrengung, in der sich Geist und Leidenschaft mischen und gegenseitig steigern, entdeckt der absurde Mensch eine Zucht, die das Wesentliche seiner Kräfte ausmacht», heißt es in Camus’ «Mythos von Sisyphos». Sein Antrieb ist der Wille zur Form – das Talent, qua Gestaltung der Sinnlosigkeit des Universums Sinn abzugewinnen. Den Urtyp des (vergeblich) schaffenden Menschen entdeckte Camus bekanntlich in jenem Begründer von Korinth, der es mit den Göttern aufnahm und zur Strafe auf ewig einen Felsblock bergan rollen muss.
Wenn man sich in das knapp vierhundert Seiten starke Lesebuch über Olga Neuwirth vertieft, das der Essener Musikwissenschaftler Stefan Drees zum vierzigsten Geburtstag der Komponistin ...
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Fast jedes Jahr das gleiche Bild: Wenn wir im Spätsommer fünfzig Kritiker aus aller Welt bitten, die zurückliegende Saison zu bilanzieren, kommt die Opernmetropole Berlin schlecht weg. Immer wieder löst das konzeptionelle, finanzielle und politische Chaos, das die drei Häuser der Hauptstadt begleitet, ungläubiges Kopfschütteln aus. Natürlich gibt es auch Licht: Die...
Wie wenig sich die Zeiten ändern! 1992, als die Scala-Saison ebenfalls mit «Don Carlo» eröffnet wurde, habe vier Tage «Weltuntergangsstimmung» geherrscht und eine «nationale Identitäskrise» gedroht, berichtete Gabor Halasz damals in «Opernwelt» (siehe OW 2/1993). Der Grund: Luciano Pavarotti war grausam ausgepfiffen worden, weil er das hohe «H» nicht einwandfrei...
