Dekonstruktion der Dekonstruktion
Das Saarbrücker Staatstheater feiert als einziges Opernhaus im deutschsprachigen Raum (Amsterdam, London und Bologna waren da aufmerksamer) den 60. Geburtstag von Wolfgang Rihm mit einer großen Opernproduktion. Kein Zufall. Zum einen haben die Theatermacher am westlichen Rand der Republik in der zu Ende gehenden Ära von Operndirektor Berthold Schäfer eine exzellente Nase für Randbereiche des Repertoires entwickelt.
Zum anderen passt die 1992 uraufgeführte «Eroberung von Mexico» mit ihrem Konzept einer klangtheatralen Landschaft exakt in die Saarbrücker Reihe «echtzeit», die Musiktheater-Raritäten mit experimenteller Raumgestaltung verbindet.
Wofgang Rihms Stück nach Motiven des Autors, Performance-Künstlers und Theaterrevoluzzers Antonin Artaud (1896-1948) gehört zu den meistgespielten des zeitgenössischen Repertoires – was freilich nicht mehr bedeutet als eine Produktion alle zwei bis drei Jahre. Das mag auch mit den hohen Anforderungen der Partitur zusammenhängen: Man braucht ein sehr flexibles Orchester, mehrere strapazierfähige Stimmen, zwei modulationsbegabte Sprecher und vor allem einen Dirigenten, der das Orchester, seine in den Saal ausgelagerten Schlagzeug- und ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Dieter Lintz
Als Bühnenzauberer ist Stefan Herheim bekannt. Nun inszeniert er endlich ein Stück, bei dem Bühnenzauber zur Sache selbst gehört: «Xerxes» an der Komischen Oper Berlin. Das ist nicht das einzige Händel-Ereignis dieser Tage. Cecilia Bartoli im «Giulio Cesare» bei den Salzburger Pfingstfestspielen, die Händel-Festspiele in Göttingen und Halle, dazu eine Premiere...
Der 1763 in Schwetzingen geborene Franz Danzi gehört zu den vielen zwischen Frühklassik und Frühromantik eingezwängten Komponisten, die sich der Einordnung in Epochen-Schubladen widersetzen. Nach Engagements in München und Stuttgart wirkte er von 1812 bis zu seinem Tod 1826 als Hofkapellmeister in Karlsruhe. Von seinem umfangreichen, alle Gattungen umfassenden...
Herr Koch, wer ist schuld an der Misere der fünfzehn «Ring»-Stunden? Alberich? Oder doch die Rheintöchter, weil sie ihn verlockt haben?
Das ist die große Frage. Beide Seiten wahrscheinlich. Ich sehe Alberich nicht als Alleintäter. Er ist mir auch nicht unsympathisch. Gerade in der Konfrontation mit Wotan verstehe ich manche seiner Handlungen und Reaktionen. Aber...
