Debüt
An Giuseppe di Stefano, Carlo Bergonzi oder Alfredo Kraus sollte man nicht denken, wenn Juan Diego Flórez (42), von schreckensschwarzen Chorrufen bedrängt, am Gran Teatre del Liceu in Barcelona zum ersten Mal Lucia in den Bühnentod folgt. Elena Mosuc, bzw.
ihr Stuntfrau-Double, ist in der aus Zürich übernommenen «Lucia di Lammermoor» des Pereira-Schützlings Damiano Michieletto gerade vom schiefen Glasturm gesprungen (und hat uns endlich von einer so grotesk manierierten wie zerdehnten Orgie vokaler Selbstbeweihräucherung erlöst), da spreizt seine (noch) angespannte Edgardo-Stimme ein letztes Mal die federleichten Wohlklangschwingen, um der Geliebten entgegenzufliegen: «Tu che a Dio spiegasti l’ali». Entschlossen, in klaren Linien und plastischer Phrasierung absolviert Flórez das Rollendebüt. Doch, auch das klingt – selbst in der siebten Dezember-Vorstellung – durch: Die heroischen Anteile der Partie kosten dem tenore di grazia, der seinen Radius bereits als Verdis Duca zu erweitern suchte und demnächst als Massenets Werther antritt, (noch) viel Kraft. Von jener aus dem Vollen schöpfenden, frei fließenden Natürlichkeit jedenfalls, die seine Vorgänger auszeichneten, ist Flórez (noch) ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Albrecht Thiemann
Erst 1999, mehr als drei Jahrzehnte nach ihrer Uraufführung, fand Astor Piazzollas «María de Buenos Aires» den Weg auf eine deutsche Bühne. Katja Czellniks Kieler Inszenierung (siehe OW 12/1999) galt als durchaus exemplarisch. Diesen Rang dürfte ihr die von Andreas Kriegenburg verantwortete Bremer Produktion des Werks nun streitig machen. Denn sie hat, was...
Im Barocktheater war alles ganz einfach: Man spielte in festen Bühnenbildern, mehrfach gestaffelten Prospekten aus Holz. Veränderte Schauplätze wurden durch Umgruppierungen dieser Elemente erzielt, zudem garantierte der «arco scenico», also die gebogene Struktur über dem Bühnenportal, als «natürlicher» Reflektor gute akustische Verhältnisse für das, was auf den...
Die Gedanken sind frei. Sie fliehen, wie man weiß, vorbei wie nächtliche Schatten. Und so darf man wohl entschuldigen, dass uns während der Aufführung von Brittens «Peter Grimes» im Theater an der Wien ausgerechnet Karl Valentin in den Sinn kommt. Der bemerkte einmal hintersinnig: «Heute besuche ich mich selbst. Ich bin schon neugierig, ob ich zu Hause bin ...» Wir...
