Dass die Welt eine bessere werde

Jossi Wieler und Sergio Morabito verlassen die Stuttgarter Oper – ein Rückblick auf bewegend bewegte Jahre

Opernwelt - Logo

Mit der Uraufführung von Toshio Hosokawas Oper «Erdbeben. Träume» (siehe Seite 18) ist an der Oper Stuttgart nicht nur die Intendanz Jossi Wielers, sondern zugleich die Ära einer künstlerischen Kontinuität zu Ende gegangen – die des Regisseurs Jossi Wieler und des Dramaturgen Sergio Morabito, die das Haus für ein Vierteljahrhundert prägte. 36 gemeinsame Inszenierungen hat das symbiotische Regieduo seit der ersten Zusammenarbeit im April 1994 vorgelegt, davon allein 26 in Stuttgart.

Dabei haben Wieler und Morabito von Monteverdi über Händel, Mozart, Verdi und Janáček bis zu Mark Andre und Hosokawa die ganze Operngeschichte ausgemessen, vielfach inspiriert von Anna Viebrocks geheimnisvoll-magischen Räumen – «Wahnzimmer» hat Morabito diese komplexe Bühnenarchitektur einmal genannt. Sie bildeten die ideale Architektur für die skrupulöse interpretatorisch-szenische Arbeit des Teams: eine unvoreingenomme, das jeweilige Stück Schicht für Schicht analysierende Lektüre und die psychologische Durchdringung von Handlung und Figuren.

Im Unterschied zu vielen, vor allem jüngeren Vertretern des Regietheaters, die ihre Arbeit zunehmend als autonome Kunstpraxis behaupten, verstehen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verdichtet und vertieft

Die Vorstellung ist nicht ohne Charme: Dido als Adonis. Noch 1726, als Leonardo Vinci seine Vertonung des Metastasio-Librettos auf die Bretter brachte, gehörte es in Rom zum guten Ton, dass sämtliche Partien inklusive der designierten Frauenrollen mit vokal potenten Männern besetzt wurden. Und so kam es, dass der Superkastrat Domenico Giacinto Fontana alias...

Sachwalter der Moderne

Vom «Ende einer Ära» ist mehr oder weniger reflexhaft die Rede beim Tod einer epochalen Figur. Doch im Fall nicht weniger Musiker aus der Sowjetunion hat die Formel ihren Sinn. Brachte doch die Oktoberrevolution tatsächlich einen enormen Aufbruch in vielerlei Hinsicht; man denke nur an den Stummfilm, vor allem Eisensteins. Und in der Musik fand eine immer wieder...

Knistern im Nirgendwo

Teilweise wird die Bologneser Neuproduktion von Verdis «Don Carlo» (in der vieraktigen Mailänder Fassung von 1884) den hohen Erwartungen ja vollauf gerecht: zum Beispiel in Sachen Stimmqualität. Die berüchtigte Ensembleoper erfordert erstklassige Solisten in sechs Hauptrollen, am Teatro Comunale mangelt es in der Hinsicht an nichts. Und wenn Noch-Chefdirigent...