Verdichtet und vertieft

Leonardo Vincis «Didone abbandonata» in der Bearbeitung von Georg Friedrich Händel, erstmals eingespielt von der Berliner Lautten Compagney

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Die Vorstellung ist nicht ohne Charme: Dido als Adonis. Noch 1726, als Leonardo Vinci seine Vertonung des Metastasio-Librettos auf die Bretter brachte, gehörte es in Rom zum guten Ton, dass sämtliche Partien inklusive der designierten Frauenrollen mit vokal potenten Männern besetzt wurden. Und so kam es, dass der Superkastrat Domenico Giacinto Fontana alias Farfallino das tragische Schicksal der karthagischen Königin in höchsten Kunsttönen besang.

Für Georg Friedrich Händel sah die Sache elf Jahre später anders aus.

Sein Ensemble war durchmischt, Primadonna Anna Maria Strada als Dido gesetzt. Weil aber ihre Stimme einen Hauch höher lag als die Farfallinos, transponierte Händel die Partie eine Sekunde nach oben. Doch zählte dies zu den eher überschaubaren Eingriffen in Vincis «Didone abbandonata». Weit drastischer verfuhr der Meister des barocken Parodieverfahrens mit der dramaturgischen Faktur des Werks. Am Ende von Akt zwei schob er für Strada die naturmalerische Arie «Ritorna e lusingarmi» aus Vivaldis «Griselda» von 1735 ein. Weil er einen seiner beiden Starsänger, den Soprankastraten Gioacchino Conti, nicht verärgern wollte, verrückte er die musikalischen Möbel im dritten ...

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Opernwelt August 2018
Rubrik: CD des Monats, Seite 25
von Jürgen Otten

Vergriffen
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