Verdichtet und vertieft
Die Vorstellung ist nicht ohne Charme: Dido als Adonis. Noch 1726, als Leonardo Vinci seine Vertonung des Metastasio-Librettos auf die Bretter brachte, gehörte es in Rom zum guten Ton, dass sämtliche Partien inklusive der designierten Frauenrollen mit vokal potenten Männern besetzt wurden. Und so kam es, dass der Superkastrat Domenico Giacinto Fontana alias Farfallino das tragische Schicksal der karthagischen Königin in höchsten Kunsttönen besang.
Für Georg Friedrich Händel sah die Sache elf Jahre später anders aus.
Sein Ensemble war durchmischt, Primadonna Anna Maria Strada als Dido gesetzt. Weil aber ihre Stimme einen Hauch höher lag als die Farfallinos, transponierte Händel die Partie eine Sekunde nach oben. Doch zählte dies zu den eher überschaubaren Eingriffen in Vincis «Didone abbandonata». Weit drastischer verfuhr der Meister des barocken Parodieverfahrens mit der dramaturgischen Faktur des Werks. Am Ende von Akt zwei schob er für Strada die naturmalerische Arie «Ritorna e lusingarmi» aus Vivaldis «Griselda» von 1735 ein. Weil er einen seiner beiden Starsänger, den Soprankastraten Gioacchino Conti, nicht verärgern wollte, verrückte er die musikalischen Möbel im dritten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Merkwürdig, wie sehr wir am Musiktheater gemessen werden», sinniert Chief Executive Roger Wright. «Es ist doch nur ein Programmpunkt unter vielen.» Jedes Jahr eine große Britten-Produktion kann sich das Aldeburgh Festival gar nicht leisten: Muss man doch für eine vollumfängliche Oper nahezu doppeltes Budget ansetzen. Im Durchschnitt kosten die zweieinhalb Wochen...
Zweimal per annum – an ihrem offiziellen Geburtstag und zu Neujahr – verteilt Elizabeth II. allerhand Ehrungen. An die, die Großes, und die, die Gutes tun. Im Juni gab’s ein paar OBEs (Order of the British Empire) für diverse Instrumentalisten und Sänger, Bariton Simon Keenlyside schlug die Queen sogar zum Ritter. Jetzt muss ich ihn wohl Sir Simon nennen – doch...
Das Stück ist ein Klassiker des zeitgenössischen Musiktheaters. Um die 500 Aufführungen hat Wolfgang Rihms «Jakob Lenz» seit der Hamburger Uraufführung 1979 erlebt. Zu Recht, glückte doch dem damals 27-Jährigen mit seiner konzentrierten Komposition ein beinahe zeitloser Wurf. Im Grunde ist diese Kammeroper ein einziger großer Monolog für einen in jeder Hinsicht...
