Ironischer Rückblick

Venedig | Sinopoli: Lou Salomé

Opernwelt - Logo

Er darf als Universalgelehrter im besten Sinne gelten: der 1946 in Venedig geborene Dirigent und Komponist Giuseppe Sinopoli, der im Jahre 2001 während einer «Aida»-Vorstellung am Pult der Deutschen Oper Berlin einem Herzinfarkt erlag.

Bestens vertraut mit der Weltliteratur, deren Werke er seit seiner frühen Jugend in mehreren modernen wie klassischen Sprachen im Original las, schloss er an der Universität von Padua die Fächer Medizin und Psychiatrie mit den höchsten akademischen Graden ab und stand noch als 54-Jähriger kurz vor dem Abschluss eines Archäologie-Studiums mit Schwerpunkt auf der Kultur Mesopotamiens.

Es war indes Sinopolis profundes Interesse für die mitteleuropäische Kultur im Allgemeinen und für die Psychowissenschaften im Besonderen, das ihn zum Gegenstand seines ersten und einzigen Musiktheaterwerks geführt haben dürfte: die Gestalt der Lou Andreas-Salomé (*1861 in Sankt Petersburg, †1937 in Göttingen). Auf der Grundlage ihrer Autobiografie «Lebensrückblick» verfasste der damalige Dramaturg der Berliner Staatsoper, Karl Dietrich Gräwe, ein eigenwilliges, «chaotisches» Libretto, das weder als konventionell erzählte Schilderung von Lou Andreas-Salomés Lebensweg noch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2012
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Carlo Vitali

Vergriffen
Weitere Beiträge
Absagen, Zusagen und ein Abschied

Eine eher lakonische Mitteilung fand sich im Januar auf der Homepage des Theaters an der Wien: «Aufgrund von nicht überbrückbaren Auffassungsunterschieden über die künstlerische Gestaltung und Umsetzung des Programms ab 2015 haben die Bregenzer Festspiele und Intendant Roland Geyer die Zusammenarbeit einvernehmlich gelöst.»

Dem Vernehmen nach hatte Geyer vor,...

Die Hochzeit – ein Traum

Einen Zyklus mit Meisterwerken des 20. Jahrhunderts zu starten, ist keine neue Idee. Aber darum wird ja nicht schlechter, was das Badische Staatstheater unter seinem neuen Intendanten Peter Spuhler in Szene setzt. Noch verdienstvoller indes: Den Anfang markiert in Karlsruhe «Romeo und Julia auf dem Dorfe» von Frederick Delius.

Die Väter bekriegen sich. Die Kinder...

Der Counter als Könner

Vor einigen Jahrzehnten hätte die vorliegende CD vielleicht noch den Titel «Hasse redivivus» getragen, doch da im Internet-Zeitalter kaum noch jemand Latein versteht und «reloaded» spätestens seit dem zweiten Matrix-Film der Wachowski-Brüder Teil des modernen Wortschatzes geworden zu sein scheint, heißt es heute also «Hasse reloaded» – sei’s drum. Des modischen...