Das richtige Maß
Die Geschichte vom Kaufmann, der seine in einen Mittellosen verliebte Tochter auf Teufel komm raus mit einem reichen Geschäftspartner aus dem Ausland verheiraten will, welcher aber dankend verzichtet und das Glück der Liebenden begründet, wurde schon in Rossinis einaktiger Farsa «La cambiale di matrimonio» (1810) behandelt.
In Donizettis früher Buffa «Olivo e Pasquale» (1827) wird die Rolle dieses Kaufmanns verdoppelt: Dem jähzornigen Olivo steht der gutmütige Bruder und Compagnon Pasquale gegenüber; aus diesem Kontrast bezieht das Stück einen Großteil seiner Spannung, seines Witzes. Jacopo Ferretti, der Autor der «Cenerentola», hat das Libretto verfasst; vieles darin erinnert an die großen komischen Opern Rossinis: das Verwirrungsfinale des ersten Aktes mit der bekannten Schiffbruch-Metapher, ein kaum weniger verwirrtes Sextett im zweiten Akt und ein (hier nicht enden wollendes) Schlussrondo der Primadonna.
Auch Donizettis Musik emanzipiert sich in diesem Werk erst zögernd vom großen Vorbild Rossini. In der zweiten Fassung für Neapel wurden die Rezitative durch gesprochene Dialoge ersetzt, die Hosenrolle des Liebhabers Camillo übertrug man einem Tenor. Diese Version liegt jener ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Ekkehard Pluta
Frau Chevalier, mögen Sie Medea?
Ja. Und nicht nur, weil sie eine mythische Figur ist. Sondern auch, weil sie wahnsinnig interessant ist. Weil sie so viele Facetten in sich trägt, weil sie ein inneres Gesicht hat. Medea wird im Verlauf ihrer Geschichte Mensch. Man kann sie, ihr Handeln, verstehen, weil es uns als menschliches Handeln begegnet. Ja, ich habe Sympathie...
Der knapp zwei Jahrzehnte ältere «Palestrina» von Hans Pfitzner inkorporiert eigentlich eher die Grünewald’sche Flügelaltar-Gestalt. Aber eine deutliche Zeitspanne nach dem Ersten Weltkrieg war ein symmetrisch gebauter Dreiakter auch als Wagner-Reminiszenz obsolet. Hindemiths «Mathis der Maler» ähnelt also mehr dem offeneren dokumentarischen Stil von Mussorgskys...
Die Frage, warum der Schöpfer dem Menschen den mächtigsten Trieb gegeben habe, um diesen sodann ganz oben auf die Verbotsliste zu setzen, hat den «roten Priester» wohl nie sonderlich gequält. Denn Antonio Vivaldi handelte in seiner Libido, glaubt man den Berichten, recht frei. Auf jeden Fall besitzt die schönste Hauptsache der Welt auch in seinen Opern einen...
