Gleichklang, Eilklagen

Neue Recitals mit den Countertenören Xavier Sabata und Philippe Jaroussky

Opernwelt - Logo

Countertenöre sind die Stars der Stunde, auch in der Phonoindustrie. Der Katalane Xavier Sabata hat unter dem an den Haaren herbeigezogenen Titel «Catharsis» zehn überwiegend in den 1720er-Jahren entstandene Arien von mehr (Händel, Vivaldi, Caldara, Hasse) oder weniger (Orlandini, Conti, Torri, Ariosti, Sarro) bekannten Komponisten aufgenommen und sie nach bewährter Dramaturgie – abwechselnd schnell und langsam, erregt und verinnerlicht – zu einem Recital zusammengestellt.

Gerade die unbekannten Stücke sind meist nicht mehr als routinierte Dutzendware, deren Gestaltung überdies unter der Gleichförmigkeit des arg unpersönlichen, selten wirklich fesselnden Vortrags leidet. Sabata verfügt über eine bewegliche, schlanke, technisch gut geführte Stimme, die aber keine individuelle Ausdrucksqualität besitzt. Er entwickelt kaum Farben und neigt in schnellen, geläufigen Passagen zu einem flackernden Ton.

Am besten gelingen ihm Stücke, in denen schon die Musik selbst für Abwechslung sorgt – die große Ombra-Arie aus Vivaldis «Farnace» mit ihren heftigen Akzenten und Affektkontrasten (von George Petrou und seiner Armonia Atenea extrem ausagiert), die Szene aus Händels «Admeto» mit ihren ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Mal ehrlich

Ich weiß nicht, wie viele «Opernwelt»-Leser auf Twitter aktiv sind, aber uns Sänger drängen die Agenten, karrierefördernd in den sozialen Netzwerken aktiv zu werden: Pseudo-Nahbarkeit im Sinne der Eigenwerbung. Ich selbst zwitschere auch. Meine Wortmeldungen sind entweder bewusster Unsinn oder Schüsse ins Lager der Trump-/Brexit-Fans, so oder so bleiben sie...

Arte Povera

Albrecht Puhlmann setzt gleich im ersten Jahr seiner Intendanz kräftige neue Akzente am Nationaltheater. Nach Händels «Hercules», einer Revue von Mischa Spoliansky und einem szenischen Liederabend hatte jetzt Monteverdis «Ulisse» (als Mannheimer Erstaufführung!) Premiere. Das musikalische Drama um den antiken Kriegsheimkehrer beginnt furios mit dem Prolog der...

Von gestern auf heute

Lyon: «Elektra»

Wieder hat er ganze Arbeit geleistet: In mehr als 60 Details weicht Hartmut Haenchens «Elektra»-Material von den gängigen Druckfassungen ab. Änderungen und Ergänzungen, die, so die feste Überzeugung des Dresdner Dirigenten, den letzten Willen von Richard Strauss spiegeln. Aufgespürt vor allem in der Uraufführungspartitur von 1908/09. Für sich...