Das offene «Machwerk»
Musik verbindet, versöhnt, vereint Menschen – nationen- wie generationen- und schichtenübergreifend: als harmonisierende Himmelsmacht. Doch so lieb einem die Vorstellung sein mag: Sie stimmt leider nicht. Denn in kaum einer anderen Kunst sind die Trennlinien so ausgeprägt. Schon E und U stehen für grundverschiedene Welten, auch wenn sie manchmal weniger monolithisch sind, als deren Verfechter zuzugestehen bereit sind. Aber in beiden Sphären sich gleichermaßen auszukennen, ist immer schwieriger geworden. Eine mögliche Einheit rückt in immer weitere Ferne.
Selbst innerhalb der Klassik ist der Konsens oft geringer als erwartet. Oper und Kammermusik, Sinfonik und Klaviervirtuosität, Lied und Kirchenmusik sind keineswegs allen Musikbegeisterten gleich lieb und wert. Sogar konfessionelle Grenzen spielen noch in der eurozentrischen Kultur eine Rolle. Im katholischen oder auch orthodoxen Bereich haben Bachs Chorwerke beileibe nicht die Signifikanz wie im protestantischen, zumal deutschsprachigen Raum. Als Mauricio Kagel im Bach-Jahr 1985 das aparte Paradoxon formulierte: «Es mögen nicht alle Musiker an Gott glauben, an Bach glauben sie alle», war dies ein frommer Wunsch, gibt es doch ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Essay, Seite 74
von Gerhard R. Koch
JUBILARE
Die österreichische Mezzosopranistin Erika Wien studierte an der Wiener Musikhochschule bei Hans Duhan, Josef Witt, Wolfgang Steinbrück und Erik Werba. 1952 debütierte sie an der Wiener Volksoper, wechselte ein Jahr später ans Bremer Theater (1953-59) und anschließend an die Deutsche Oper am Rhein (1959-64). Von 1964-80 wurde das Opernhaus Zürich zu...
«Alles was du bist, bist du nur durch Verträge.» Sich an diese Warnung, von Fasolt an Wotan gerichtet, vor dem Abschluss von langfristigen Vereinbarungen mit Künstlern zu erinnern, ist ratsam – gerade bei Sängern, bei denen die Nornen-Frage zu stellen ist: «Weißt du, wie das wird?» Vor sieben Jahren kündigte die Deutsche Grammophon Gesellschaft die Aufnahme der...
Alexander Kluges Wort von der Oper als «Kraftwerk der Gefühle» aufgreifend, blickt der opulente Band vor allem auf das 19. Jahrhundert und stellt die Frage, was Nationalopern eigentlich als ästhetische Produkte sind, sein wollen oder sein konnten, was sie mit Identitätsstiftung zu tun haben, und wie sich Wagner und das «Deutsche» in diesem Kontext ausnehmen....
