Zuflucht

Verdi: Nabucco, I Lombardi
Heidenheim | Festspielhaus

Opernwelt - Logo

Es ist allemal löblich, wenn Opernfestivals wie jenes in Heidenheim an der Brenz das frühe Schaffen Giuseppe Verdis systematisch durchforsten. In diesem Jahr ergab sich gar die reizvolle Kombination von «Nabucco» (1842) und «I Lombardi alla prima crociata» (1843). Vor dem Hintergrund des Risorgimento, dem Streben nach nationaler Einheit und Unabhängigkeit Italiens, und der österreichischen Herrschaft in der Lombardei trafen die beiden Werke einst den Nerv der Zeit. Der Gefangenenchor aus «Nabucco» sollte später zur heimlichen Hymne der Bewegung werden.

Die «Lombardi» führten eher ein Schattendasein, was vor allem an der noch abstruseren Handlung mit einer Eifersuchtsgeschichte zwischen zwei Brüdern, einem irrtümlichen Vatermord, der Liebesbeziehung zwischen einer von Muselmanen entführten Christin und einem Muslim, dessen wunderlicher Bekehrung zum Christentum und den Auftritten einer etwas chaotischen Kreuzfahrertruppe lag.

Die beiden von historischen Konflikten im Orient getränkten Stücke wurden in Heidenheim unter dem Motto «Zuflucht» auf ihren Aktualitätsgehalt abgeklopft – mit höchst unterschiedlichem Erfolg. Tobias Heyder lässt in den «Lombardi» die Figuren in moderner ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Josef Oehrlein

Weitere Beiträge
Es ist nie zu spät

Die Uraufführung an der New Yorker Met 1958, von Cecil Beaton ausgestattet, glänzend besetzt, mit Dimitri Mitropoulos am Pult, deutete auf ein Erfolgsstück. Doch kurz darauf fiel «Vanessa», Samuel Barbers erste abendfüllende Oper, bei den Salzburger Festspielen mit Pauken und Trompeten durch. Trotz zweier Versuche, das Werk am Haus seiner Inauguration zu...

Verbrannt

Gegenwart, grausame Gewissheit, ist eigentlich nie. Und wenn, dann nur als Gespenst, das durch die Kulissen des Lebens huscht; flüchtige Passage zwischen Vergangenheit und Zukunft; Goethe wusste schon um die Vergeblichkeit des Versuchs, den Augenblick fesselnd zu fassen. Eine aber ist da, die genießt das Transitorische, den Gedanken, das alles, was war und noch...

Gestaute Zeit

Na bitte, geht doch! Zwar nicht auf dem Hügel, wo es nach wie vor nur den zehn kanonisierten Musikdramen Wagners gilt. Auch nicht im frisch restaurierten Markgräflichen Opernhaus, dessen Nutzung der Denkmalschutz strikt reglementiert. Sondern in einem als Kulturbühne wiederbelebten alten Kinosaal («Reichshof») ein paar Schritte neben dem alten Schloss im Zentrum...