Mozart: Die Entführung aus dem Serail
Die Zuschauer auf den Plätzen vorne links, sonst bestens bedient, haben diesmal das Nachsehen: Anthony Pilavachi stellt ihnen ein Fernsehgerät vor die Nase und verbaut ihnen, da seine Personalregie der Bodenakrobatik verpflichtet ist, einige der interessantesten Einsichten – etwa, wie nahe sich Konstanze und der Bassa denn nun wirklich kommen. Schade, denn die Inszenierung samt dem von Tatjana Ivschina opulent entworfenen maurischen Saal als Einheitsspielstätte kann über weite Strecken wirklich als werkgetreu bezeichnet werden.
Wäre da nicht dieser schrecklich störende Apparat, auf den die gealterte (und als solche gedoubelte) Konstanze Szenen aus dem Irakkrieg verfolgt. Fluch des aktualisierenden Regietheaters.
Musikalisch dagegen ist die Oldenburger «Entführung» eine (fast) runde Sache. Da musiziert mit Alexander Rumpf der GMD höchstpersönlich einen straffen, energischen, dramatischen Mozart, der eher auf «Don Giovanni» vorausweist, als sich auf Singspiel-Tändelei einzulassen. Und mit dem jungen Daniel Behle steht ein für die Zukunft viel versprechender Belmonte auf der Bühne, dem jetzt schon die kantablen Passagen der Partie in kontrollierter Linienführung ebenso gelingen wie ...
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