Leckerbissen
Erklären, erhellen, das ist in dieser Causa oft vergebliche Regiemüh’! Weil sich die Märchen-Mythen-Psycho-Melange von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal gegen Stringenz und Linearität sperrt – was an sich nichts Negatives sein muss. Und leicht ließe sich ja lächeln über die «Frau ohne Schatten», die zwischen explodierter «Zauberflöte» und monumentaler Herdprämienfeier changiert. Was die Aufführungsgeschichte zeigt: Die Ausstattung als Märchen funktioniert besser als eine Analyse à la Dr. Freud.
Ebenfalls geeignet: eine komplette Übermalung, wie sie Christof Loy 2011 in Salzburg riskierte, der seinerzeit einfach die Geschichte einer Schallplattenaufnahme erzählte.
Insofern ist die Prämisse von Jens-Daniel Herzog am Nürnberger Staatstheater nicht ohne Reiz: Wir nehmen das Stück so, wie es ist. Wir gehen mit der Machete durch die Handlung, statt die Sache unnötig zu verkomplizieren. Eindampfen, reduzieren auf die Geschichte zweier Paare, dazu szenische Diät. Eine selbstverordnete Karg- und Einfachheit, für die Bühnenbildner Johannes Schütz einen Zimmerrahmen und eine Leinwand an eine Metallstrebe hängt – ein Mobile, das reibungslose Verwandlungen erlaubt, aber – und das ist ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 12 2022
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Markus Thiel
Pauline Viardot war eine der großen Künstlerfiguren des 19. Jahrhunderts. Als Tochter einer weitgereisten spanischen Sängerfamilie, Schwester der berühmten Diva Maria Malibran und des nicht minder berühmten Gesangslehrers Manuel García junior schien ihr Weg vorgezeichnet. Doch die Viardot wollte, als Schülerin Reichas und Liszts, Komponistin werden und wurde es...
Die Dame darf getrost als «Berlinerin» gelten. Seit 1912 in der deutschen Hauptstadt und dort seit 1924 öffentlich gezeigt, hat das nicht ganz freiwillige Exil doch sprachlich ziemlich abgefärbt. Mag auch die Büste der Nofretete beharrlich schweigen, ihre pharaonische Nachfolgerin bedient sich dreieinhalb Jahrtausende später ungeniert des örtlichen Jargons. Auch in...
Seit Michael H. Kater 1995 in den «Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte» Carl Orff der «Widerstandslüge» bezichtigt hat, gilt der durch seine «Carmina Burana» weltweit populäre Bajuware als der Musikopportunist Hitler-Deutschlands schlechthin. Jetzt rollt der Wiener Zeithistoriker Oliver Rathkolb den Fall in einem fakten- und materialreichen Buch grundsätzlich...
