Das Furlough-Schema

Die britische Opernszene leidet schwer unter Corona und dem Brexit, Planung ist kaum möglich, die Politik versucht verkrampft zu helfen, wo es geht

In den sozialen Medien reichen britische Künstler seit Monaten folgende Zahlen herum: 600 Millionen Euro investiert Berlin pro Jahr in die Kulturlandschaft der Hauptstadt. Der Arts Council stemmt in etwa dieselbe Summe – nur muss sie für ganz England reichen. Premieren-Tweets hingegen sind verstummt. Wer Arbeit hat, schweigt dezent. Weil die meisten keine haben. Laut Office for National Statistics hat Corona keine andere Branche so massiv getroffen wie die Kultur- und Unterhaltungsindustrie.

Die Berliner Zahl illustriert, in welchem Maß die meisten Kompanien und Spielorte der Insel auf Ticketverkäufe, Fundraising, Vermietungen etc. angewiesen sind: So brachte das Royal Opera House 2017/18 rund 75 Prozent seines Budgets selbst auf (von 138 Millionen Pfund), die English National Opera 65 Prozent (von 36 Millionen). An sich ist man hier auch sehr stolz auf die Fähigkeit, erstens große Summen selbst zu stemmen und zweitens mit kleinen Budgets international Wettbewerbsfähiges zu produzieren; die Opera North beispielsweise bespielte 2019 mit knapp 20 Millionen Pfund Englands gesamten Norden. Doch Corona hat viele Einnahmequellen praktisch ausgeschaltet. Schon jetzt darf man annehmen, ...

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Opernwelt Januar 2021
Rubrik: Focus Spezial, Seite 18
von Wiebke Roloff Halsey

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